Schladming: Manuel Feller muss liefern

24. Jänner 2017, 08:58
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ÖSV-Slalom-Fahrer fährt einen schnellen Schwung, nur ins Ziel kommt er im Rennen nicht – Planai soll geringeres Risiko für Einfädler haben

Schladming – Manuel Feller fährt einen der schnellsten Schwünge im Slalom-Zirkus, hat in dieser Saison aber schon vier Einfädler gesammelt. "Der Speed, der passt. Die Sache ist nur, ob ich runterkomme", meinte der Tiroler vor dem Flutlicht-Event in Schladming, wo sich auch seine WM-Teilnahme entscheiden könnte. Ohne ein weiteres Topresultat hätte Feller bei einer Nominierung ein "wirklich schlechtes Gewissen".

Für die meisten Beobachter und auch Feller selbst war sein Missgeschick am Sonntag im Kitzbühel-Slalom ein klassisches Deja-vu-Erlebnis. Auch in Val d'Isere und Zagreb hatte der 24-Jährige eingefädelt, ebenso in Wengen, wobei er dort nichts spürte und ins Ziel fuhr. In Madonna di Campiglio rutschte Feller nach einem Innenski-Fehler weg.

"Nicht eine so feine Situation"

"Es ist nicht eine so feine Situation momentan", sagte der Fieberbrunner. "Wir haben in Kitzbühel zwei Tage trainiert. Da bin ich auch einmal eingefädelt, das war ganz unten, aber ansonsten waren es unheimlich schnelle Zeiten. Ich habe gewusst, wenn ich das runterbringe, dann werden sich da manche die Zähne ausbeißen." Am Start habe er den Kopf komplett frei gehabt, versicherte er. "Ich habe ein richtig gutes Gefühl gehabt. Dann ist es einfach wieder passiert."

Wie man eine derartige Serie zusammenbringen kann, ist Feller ein Rätsel. Auch im Betreuerstab grübelt man mittlerweile heftig, da er im Training mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit neben den Toren bleibt. Warum gerade auch Kitzbühel zum Schauplatz eines Einfädlers wurde, erklärte er teilweise damit, dass der Ganslernhang atypisch viele Wellen hat.

Hoffen auf Schladming

"Bei einer Welle musst du den Schwung etwas enger fahren, weil du so auch Richtung zum Tor machst. Wenn es Schwung auf Schwung geht, kannst du mehr Platz lassen. Aber wenn ich bei der Welle 10, 20 Zentimeter weiter weg bin, komme ich vielleicht aufs nächste Tor zu spät hin", erklärte Feller. Das mache ihm Mut für das Nightrace. "Schladming ist unter Anführungszeichen einer von den leichteren Hängen, weil alles Schwung auf Schwung geht. Es geht oben alles gleich weg, so halbsteil, es gibt nur einen Überhang, der ist eher langgezogen und nicht so giftig."

Feller geht davon aus, ein Resultat bringen zu müssen, um für das WM-Quartett in St. Moritz relevant zu werden. "Wenn ich morgen ausfalle und mich der Trainer trotzdem nominiert, obwohl ein anderer ein gutes Ergebnis gefahren ist, hätte ich wirklich ein schlechtes Gewissen. Weil das würde ich umgedreht auch nicht wollen."

Traum von der WM

Die WM-Teilnahme bezeichnete er als einen großen Traum. Im Slalom "sehe ich wirklich großes Potenzial, dass ich mit einer Medaille nach Hause fahren könnte. Im Riesentorlauf bräuchte ich ziemlich viel Glück. Im Slalom, wenn ich das fahre, was ich kann, gibt es sicher wenige, die schneller sind als ich."

Trotz seiner misslichen Lage scheint Feller seinen Humor nicht verloren zu haben. "Wenn es morgen aufgeht und bei der WM, dann redet keiner mehr darüber. Wenn es jetzt noch zweimal in die Hose geht, ist es auch nicht schlimm, weil es eh schon so oft passiert ist. Vielleicht erwarten sich die Leute gar nichts anderes mehr", sagte er mit einer Portion Selbstironie. Und wenn er tatsächlich nicht nach St. Moritz fährt, "habe ich mir das selber zuzuschreiben". (APA; 24.1.2017)

  • Manuel Feller: "Schladming ist unter Anführungszeichen einer von den leichteren Hängen."
    foto: apa/neubauer

    Manuel Feller: "Schladming ist unter Anführungszeichen einer von den leichteren Hängen."

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