Forscher untersuchen Wiens geothermisches Potenzial

28. Jänner 2017, 14:00
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Mit Messungen soll erhoben werden, ob energetisch nutzbare Heißwasservorkommen unter Wien lagern

Wien – Im Februar starten erste seismische Messungen im Osten Wiens, die Aufschluss über das Potenzial für die energetische Nutzung von tiefliegenden Heißwasservorkommen geben sollen. Koordiniert wird das Forschungsprojekt "GeoTief", dem ein ähnliches Projekt in München als Vorbild diente, von Wien Energie, die die Finanzierung teils aus eigenen Mitteln übernimmt. Weitere Gelder sollen aus nationalen Töpfen kommen.

Der Start erfolgt in Wien-Donaustadt und der niederösterreichischen Gemeinde Raasdorf mit 2D-Seismik-Messungen, mit denen mittels zweidimensionaler Bilder der geologischen Formationen Rückschlüsse auf das Vorkommen von Erdwärme gewonnen werden sollen. In den Wintermonaten 2017/18 – Umweltschutzauflagen erlauben seismische Messungen nur im Winter – werden die Erkenntnisse mit dreidimensionalen Messungen (3D-Seismik) vertieft.

Die gewonnen Daten werden schließlich mit bereits vorliegenden verschnitten und sollen zeigen, ob sich die kommerzielle Erschließung der Erdwärme lohnt. Wichtiger Lieferant dieser Daten ist Konsortiumspartner OMV, der durch die jahrzehntelange Suche nach fossilen Energiequellen seinen Erfahrungsschatz einbringen kann. Frühere Messungen und das Wissen um die geologischen Formationen unter Wien haben darauf hingedeutet, dass unter dem Osten Wiens vermutlich Heißwasservorkommen in tiefen Schichten lagern.

Erneuerbare Energielösungen für Wien

"Klimaschutz ist eine der größten Aufgaben für ein Unternehmen", erläuterte Karl Gruber, technischer Geschäftsführer der Wien Energie, die Motivation hinter dem Projekt. In den nächsten fünf Jahren will das Unternehmen laut eigenen Angaben 460 Mio. Euro in erneuerbare Energielösungen investieren. "Die Wärmeversorgung genießt dabei ganz hohe Priorität." Wien Energie finanziert "GeoTief" bis 2020 mit fünf Millionen Euro aus eigenen Mitteln. Zusätzlich kommen rund 50 Prozent der eingesetzten Mittel laut den Angaben als Teilfinanzierung vom Klima- und Energiefonds.

Unterstützung bekommt das Projekt von der bayerischen Metropole München. "Wir haben bereits das Erdwärme-Potenzial im Stadtgebiet München mit seismischen Messungen erhoben. Die Ergebnisse waren sehr positiv, ebenso die Resonanz der Bevölkerung", erklärte Christian Hecht, Projektleiter Geothermie bei den Stadtwerken München. Er ist auch Mitglied im Projektbeirat "Geotief Wien".

Seitens der Wien Energie lege man ebenso großen Wert auf Transparenz: "Wir binden die Bevölkerung ein. Am 18. Februar können sich Interessierte und Anrainer beim Technologiezentrum Seestadt Aspern über den Ablauf der Messungen informieren", so Gruber.

Projektpartner sind die Geologische Bundesanstalt, die Universität Wien, die Universität Salzburg, die Montanuniversität Leoben, die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), OMV, RAG, Geo5 (Seismikexperten) und der Consulter Heinemann Oil (HOL).

Zweites Projekt widmet sich oberflächennaher Geothermie

Umweltfreundliche Wärme kann aber nicht nur aus tief liegenden Heißwasservorkommen, sondern auch aus oberflächennaher Geothermie mit Hilfe von Wärmepumpen-Anwendungen gewonnen werden. "Diese ist überall anwendbar, nicht von Heißwasservorkommen abhängig und wird eine wichtige Rolle in der Stadtversorgung haben", sagte Gregor Götzl von der Geologischen Bundesanstalt zur APA.

Im ebenfalls kürzlich gestarteten dreijährigen EU-Projekt GeoPLASMA wollen die geologischen Dienste Österreichs, der Slowakei, Tschechiens, Polens, und Sachsen gemeinsam mit Unis, Städten und Unternehmen gemeinschaftliche Planungs- und Bewirtschaftungsgrundsätze für die oberflächennahe Geothermie in Zentraleuropa schaffen. Bisher sei das Thema in vielen Ländern vernachlässigt worden, in Österreich allerdings gut etabliert. In Wien etwa würden der oberflächennahe Grundwasserkörper sowie Erdwärmesonden für Heizen und Kühlen seit fast 20 Jahren thermisch genutzt, "das ist eine etablierte Technologie", so Götzl.

Diese vielen Anwendungen müssten aber auch verwaltet werden, "wir reden alleine in Wien von mehr als 2.000 Nutzungen und von Zigtausenden in ganz Österreich". Denn jede oberflächennahe geothermische Nutzung konsumiere Energie, die im Boden gespeichert ist. "Wenn die Nutzungsdichte irgendwann zu groß wird, dann gräbt man sich gegenseitig Potenziale ab", betonte Götzl. Zudem sei der Grundwasserkörper ein Naturraum, der durch viele Nutzungen beeinträchtigt werden könne. So weiß man etwa noch nicht, wie sich die Grundwassertemperatur in Wien verhält. Wurden früher Anlagen nach dem Prinzip "first come, first serve" genehmigt, würden nun "neue Konzepte für die Planung und Bewirtschaftung" benötigt, so Götzl. (APA, red, 28.1.2017)

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