"Der Watzmann ruft": Die dem Berg nicht widerstehen können

    24. Jänner 2017, 08:00
    posten

    Mit derbem Humor, aber durchaus amüsant: Verena Schopper inszeniert das Rustical in Innsbruck

    Innsbruck – Am Ende holt er sich beide, den Voda (Kristoffer Nowak) und den Bua (Christoph Schlag). Der Watzmann, das mächtige und unbarmherzige Bergmassiv, mit seinen schroffen Felsformationen und seinen tiefen Schluchten.

    Den Sirenen gleich lockt er mit Rufen seine Opfer, diese können nicht widerstehen und besiegeln so ihr Schicksal. Und als der Bua die Rufe des Watzmann vernimmt, muaß er aufi, aufi muaß er! Gegen den Widerstand seines Vaters und allen Warnungen zum Trotz.

    Um den pittoresken Gebirgsstock im Berchtesgadener Land rankt sich eine grausame Sage, mit der sich Wolfgang Ambros, Manfred O. Tauchen und viele andere – wie Joesi Prokopetz, Klaus Eberhartinger oder Christian Kolonowitz – bereits ab den 1970er-Jahren befassen.

    Zuerst entsteht eine Hörspielproduktion, später eine Schallplatte und schließlich eine Bühnenshow mit Textzeilen, wie – Voda, Voda loß mi ziagn, da Berg i muaß eam untakriagn. In Innsbruck transponiert man das breite Ostösterreichisch ins kernige Tirolerisch.

    Slow-Motion-Kampf

    Regisseurin Verena Schopper hat das Rustical für die Kammerspiele, die derzeit in der Messe logieren, mit herbem Humor, deftigem Klamauk, aber durchaus amüsant inszeniert. Das Publikum wird sich nach achtzig Minuten zu Standig Ovations hinreißen lassen.

    Mit beherztem Strich vor tiefblauem Himmel ist der Watzmann aufgepinselt (Bühne, Kostüm: Luis Graninger), auf Kunstrasen direkt am Bühnenrand dampft noch eine frische Kuhflade, in die alsbald auch hineingegatscht wird.

    Von Felsblöcken abgeschirmt spielt die Watzmann-Band The Crazy Murmelen – gekleidet ist sie in Krachledernen und T-Shirts mit den Schriftzügen MUH und MÄH – die eingängigen Rocknummern auf.

    Als das Halali auf die Gams geblasen wird, kommt es zum Slow-Motion-Kampf im beseelten Fichtenwald (Stefan Riedl, Matthias Tuzar, Antje Weiser, Ulrike Lasta – diese sind auch in der Rollen der Knechte und Mägde zu sehen).

    Köstlich agiert Benjamin Schardt nicht nur als kecke Gams, kautziger Erzähler, sondern auch als üppige und ihrem Namen alle Ehre gebende Gailtalerin, der an der Stelle der Scham ein feuerrotes Krickerl baumelt. (Dorothea Nikolussi-Salzer, 23.1.2017)

    Tiroler Landestheater Innsbruck (Kammerspiele in der Messe). Vorstellungen unter anderen am 1., 2., 3. Februar, jeweils 20.00

    • "Voda, Voda loß mi ziagn": In Innsbruck ruft der Watzmann.
      foto: tiroler landestheater innsbruck

      "Voda, Voda loß mi ziagn": In Innsbruck ruft der Watzmann.


    Share if you care.