"Das Trainingslager hätte abgesagt gehört"

23. Jänner 2017, 14:37
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War Fußballmeister Red Bull Salzburg vor dem Trainingslager in Dubai nicht gewarnt? Stürmer Munas Dabbur ist jedenfalls nicht der erste Israeli, dem ein arabisches Land ein Visumproblem macht. Hakoah-Präsident Paul Haber vermisst Rückgrat

Dubai/Wien – "Es ist ja keine extreme Überraschung, dass ein israelischer Sportler nicht in ein arabisches Land einreisen darf." Sagt Paul Haber, renommierter Sportmediziner und Präsident des großen jüdischen Sportclubs Hakoah Wien. Haber hat am Montag mit Verwunderung die Verwunderung des österreichischen Fußballmeisters Red Bull Salzburg darüber registriert, dass dessen israelischer Spieler Munas Dabbur nicht mit der Mannschaft zum Trainingslager nach Dubai fliegen konnte, weil er keine Einreisegenehmigung erhalten hatte. "Das Trainingslager", sagt Haber dem Standard, "hätte abgesagt gehört. Die ganze Mannschaft hätte nach Spanien fliegen sollen."

Dabbur ist – gezwungenermaßen – nach Spanien geflogen, aber nicht allein, sondern mit Salzburgs Schwesternclub Liefering, der sein Trainingscamp in Malaga abhält. Alles andere denn eine ideale Situation, schließlich hätte der Stürmer, der 2016, als er bei Grasshoppers kickte, Schweizer Torschützenkönig war, nach einer Verletzungspause wieder integriert werden sollen. Salzburg verlieh am Montag der Hoffnung Ausdruck, dass Dabbur quasi nachkommen könnte. Schließlich sei sein Visumsantrag nicht abschlägig, sondern gar nicht behandelt worden. Dabburs Visum wurde, wie die Visa der Mitspieler, "vor mehreren Wochen beantragt", die Nachfrage vor einer Woche blieb schlicht "unbeantwortet".

Schlechtes Beispiel Tawatha

Blauäugigkeit wird von Red Bull Salzburg bestritten – auch mit dem Hinweis darauf, dass andere israelische Kicker sehr wohl mit ihren Klubs in arabischen Ländern trainieren konnten. Omer Damari, der früher für die Austria und für Salzburg kickte und Anfang 2015 mit RB Leipzig in Doha (Katar) weilte, wird als Beispiel angeführt. Ein anderes sei Taleb Tawatha, der heuer Anfang Jänner mit Eintracht Frankfurt nach Abu Dhabi reiste. Doch gerade Tawatha hätte für Salzburg eine Warnung sein müssen. Auch sein Visum ließ lange auf sich warten. Die Frankfurter waren allerdings schon Anfang Dezember an die Öffentlichkeit gegangen, als sie damit drohten, das gesamte Trainingslager abzusagen. Kurz darauf erhielt Tawatha die Zusage, einreisen zu dürfen.

In Salzburg hat man die Problematik vergleichsweise spät erkannt. Wenige Tage vor der Abreise (am Sonntag) ließ sich angesichts des Aufwands nicht mehr umdisponieren. Die Tickets und Hotelzimmer für knapp fünfzig Personen, unter ihnen 29 Spieler, waren längst gebucht, darüber hinaus zwei Testspiele vereinbart, das erste am Mittwoch gegen den FC Riga, das zweite am Freitag gegen Pakhtakor Uzbekistan.

Zweimal täglich Training

Untergebracht sind die Salzburger, die 1,5 Tonnen Gepäck mitgebracht haben, im Hotel Meydan. Im nahegelegenen NAS Sports Complex verfügt Österreichs derzeitiger Tabellenzweiter allein über einen ausgezeichneten Rasenplatz mit angeschlossenen Kraft- und Regenerationsbereichen. Hier wird, außer an den beiden Spieltagen, zweimal täglich trainiert.

Die Gründe, in einem arabischen Land zu trainieren, sind laut Red Bull Salzburg "sportliche, wirtschaftliche und organisatorische". Mit dieser Sichtweise steht der Verein alles andere denn alleine da. Unzählige Klubs bereiten sich traditionell am Persischen Golf aufs Frühjahr vor, allen voran der FC Bayern München, der Loblieder auf Katar singt, den WM-Veranstalter 2022. Vor zwei Jahren wurden die Bayern heftig kritisiert, als sie ihrem Katar-Camp noch ein Testspiel in Saudi-Arabien folgen ließen.

"Nicht kalt, nicht zu heiß"

Hakoah-Präsident Paul Haber würde sich wünschen, "dass Länder, die Sportlern die Einreise verweigern, vom internationalen Sport boykottiert werden". Er muss aber feststellen, dass sich sein Wunsch so bald nicht erfüllen wird. "Rückgrat zu zeigen, ist keine allgemein verbreitete Haltung." Nach dem ersten Training in Dubai am Montagvormittag hielt Salzburg fest: "Gut zwanzig Grad, nicht kalt, nicht zu heiß, ideale Bedingungen." (Fritz Neumann, 23.1.2017)

  • Munas Dabbur, seit Sommer in Salzburg, schoss zwei Tore, verletzte sich, nun sollte er in die Mannschaft zurückkehren.
    foto: reuters/pelissier

    Munas Dabbur, seit Sommer in Salzburg, schoss zwei Tore, verletzte sich, nun sollte er in die Mannschaft zurückkehren.

  • "Die Mannschaft hätte woanders hinfliegen sollen", sagt Paul Haber.
    foto: hakoah

    "Die Mannschaft hätte woanders hinfliegen sollen", sagt Paul Haber.

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