Erstmals Soldaten wegen Putschversuchs angeklagt

23. Jänner 2017, 14:22
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Militärs wollten angeblich Flughafen unter Kontrolle bringen – Den Angeklagten droht drei Mal lebenslange Freiheitsstrafe

Silivri/Ankara – Erstmals sind in Istanbul am Montag Soldaten wegen des gescheiterten Militärputsches vom 15. Juli angeklagt worden. Die 62 Militärs, darunter 28 Offiziere und Unteroffiziere in Untersuchungshaft, sind beschuldigt, in der Putschnacht versucht zu haben, den Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen unter ihre Kontrolle zu bringen.

Der Prozessauftakt im Gericht von Silivri am Westrand von Istanbul fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Den Angeklagten droht jeweils eine drei mal lebenslange Freiheitsstrafe wegen des Versuchs, die verfassungsmäßige Ordnung zu stürzen und Parlament und Regierung zu entmachten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Einige sind auch der "Mitgliedschaft in einer bewaffneten Organisation" beschuldigt sowie der Unterstützung einer Terrororganisation.

Bisher 43.000 Festnahmen

Gemeint ist die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, die von der türkischen Regierung für den Umsturzversuch verantwortlich gemacht wird. Laut der Nachrichtenagentur Dogan sind 28 der 62 Angeklagten in Haft. Mehrere Angeklagte waren abwesend, da sie an der türkischen Militäroffensive gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in der nordsyrischen Stadt Al-Bab beteiligt sind.

Insgesamt wurden in Verbindung mit dem Putschversuch bisher 43.000 Menschen festgenommen. Mehr als 100.000 Mitarbeiter von Militär, Polizei, Justiz, Verwaltung und aus dem Bildungswesen wurden zudem unter dem Verdacht suspendiert, zur verbotenen Gülen-Bewegung zu gehören. Die meisten Beschuldigten warten noch auf den Beginn ihres Verfahrens.

Kürzlich wurden in Istanbul erstmals mehrere Polizisten wegen des Umsturzversuchs angeklagt. Anfang Jänner wurden in der östlichen Stadt Erzurum zudem zwei Armeeoffiziere wegen ihrer Beteiligung an dem Putschversuch zu lebenslanger Haft verurteilt. Es waren die ersten Urteile zu den Ereignissen vom 15. Juli, als ein Teil des Militärs versucht hatte, den islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu stürzen. (APA, 23.1.2017)

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