Gebärdensprachen: Blicke sind Bestandteil der Grammatik

27. Jänner 2017, 06:00
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Forscher der Uni Klagenfurt erarbeiten Elemente einer Gebärdensprache-Grammatik

Klagenfurt/Wien – Die Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache, mit allen Regeln, die auch für die gesprochene Sprache gelten – mit dem einen entscheidenden Unterschied: sie werden visuell ausgedrückt. Obwohl Dennoch ist vieles noch unerforscht. Am Zentrum für Gebärdensprache und Hörbehindertenkommunikation der Uni Klagenfurt werden Elemente einer Gebärdensprache-Grammatik erarbeitet. Analysen zeigten etwa, dass auch Blicke Bestandteil dieser Grammatik sind.

In dem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt interessieren sich die Wissenschafter u.a. dafür, wie in Gebärdensprache betont wird, wie Segmentierung und Strukturierung von Texten erfolgen, wenn Instrumente der Lautsprache wie Tonhöhe, Stimmfall oder Lautstärke nicht zur Verfügung stehen. "Dies passiert durch Pausen und durch bewusste Hinweise, sogenannte Anzeiger, wie Blinzeln, Haltung der Handflächen, Bewegungsveränderungen, Blicke, Kopf- und Körperbewegungen", erklärte der Sprachwissenschafter und Projektleiter Franz Dotter.

Mithilfe zweier Methoden haben die Forscher manuelle und nicht-manuelle Elemente in gebärdeten Texten bestimmt und analysiert. Dazu wurden Muttersprachler der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) und Personen ohne diese Sprachkompetenz angewiesen, gebärdete Texte zu segmentieren und die verschiedenen Anzeiger anzugeben.

Gestik als evolutionärer "Nachbar" der Gebärdensprachen

Es zeigte sich, dass gerade Anzeiger, die mit der Hand vollführt werden und auch Pausen von beiden Gruppen erkannt wurden. Von Personen, die der ÖGS nicht mächtig sind, erkannten immerhin 40 Prozent diese Hinweise. Gebärden seien immer schon ein Mittel der Kommunikation gewesen – sogar für hörende Menschen, erklärt Dotter dieses Verständnis. So sei die Gestik, die gesprochene Sprachen begleitet, in gewissem Sinn ein evolutionärer "Nachbar" der Gebärdensprachen: Hand- und Körperbewegungen seien wie die Mimik als Körpersprache allüberall vorhanden.

Anders verhielt es sich bei nicht-manuellen Anzeigern. Dabei handelt es sich etwa um Kopfbewegungen wie Nicken, Kopfschütteln oder Kopfbewegungen nach oben, unten oder seitlich, Bewegungen des Oberkörpers bis hin zu Gewichtsverlagerung von einem Bein auf das andere, Bewegungen der Augenbrauen, der Wechsel der Blickrichtung und Blinzeln.

Damit können etwa Negation, hypothetische Gedanken, Alternativen, temporale oder kausale Beziehungen ausgedrückt werden – Bereiche, die in der gesprochenen Sprache vor allem durch Intonation, Lautstärke, Stimmlage vermittelt werden. Solche Hinweise wurden in den Untersuchungen fast ausschließlich von den ÖGS-Muttersprachlern verstanden.

Blick als grammatischer Ausdruck

Die Wissenschafter haben diese nicht-manuellen Elemente genauer untersucht. Während in der Lautsprache ein Sprecher den Blick bisweilen schweifen lassen kann, ohne dass dies von Bedeutung wäre, kommt dem Blick in der Gebärdensprache die Funktion eines Ankers zu. "Wenn ich eine abwesende Person zuerst mit einem Index, also ein hinweisendes Zeigewort, im Raum verorte und später in der Unterhaltung dorthin schaue, dann wissen meine Partner immer, dass ich über diese Person spreche", so Dotter, für den der Blick "in der Gebärdensprache Bestandteil der Grammatik ist." (APA, red, 27.1.2017)

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