Höchste Auszeichnung der ÖAW geht an ungarischen Komplexitätsforscher

23. Jänner 2017, 13:16
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Illes Farkas beschäftigte sich mit Berechnung von Gruppenverhalten

Wien/Budapest – Der Ignaz L. Lieben Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) geht 2017 an den ungarischen Komplexitätsforscher Illes Farkas. Er erhält die mit 36.000 Dollar (knapp 34.000 Euro) älteste und höchstdotierte Auszeichnung der ÖAW am 2. Februar in Wien.

Farkas arbeitet an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Eötvös Lorand Universität in Budapest. Der knapp 40-Jährige ist Experte für Statistische und Biologische Physik und beschäftigt sich mit mathematischen Methoden zur Simulation komplexer Realitäten, darunter die Bewegungsmuster großer Gruppen. So hat der Komplexitätsforscher etwa studiert, was bei Massenpaniken vor sich geht und Berechnungsmuster zum Verhalten von Fußgängerströmen entwickelt. Mit seinen mathematischen Methoden ist es auch möglich, die Entwicklung wissenschaftlicher Ideen nachzuverfolgen. Auf Basis seiner Arbeit lasse sich nachvollziehen, wie Erkenntnisse aus einem Spezialgebiet über bestimmte Zeiträume hinweg von anderen Fachbereichen aufgegriffen werden.

Älteste Auszeichnung der ÖAW

Der Ignaz L. Lieben-Preis wurde ursprünglich 1863 gestiftet und nach dem Gründer des Bankhauses Lieben benannt. Frühere Preisträger waren etwa Fritz Pregl, Victor Franz Hess und Lise Meitner. Die Vergabe der Auszeichnung wurde 1938 wegen Verfolgung der Stifterfamilie durch die Nationalsozialisten eingestellt. Durch finanzielle Unterstützung des amerikanischen Stifter-Ehepaares Isabel und Alfred Bader konnte der Lieben-Preis reaktiviert und im Jahr 2004 erstmals neu ausgeschrieben werden. Die Auszeichnung geht an junge Wissenschafter aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich für herausragende Arbeiten auf den Gebieten der Molekularbiologie, Chemie und Physik.

Farkas wird den Preis am 2. Februar an der ÖAW in Wien entgegennehmen. Im Zuge der Preisverleihung diskutiert er sein Fachgebiet mit führenden Komplexitätsforschern, darunter auch der österreichische Chemiker Peter Schuster und der Computerwissenschaftler Dirk Helbing von der ETH Zürich. (APA, 23.1.2017)

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