Angst vor Hackerangriffen auf Parteien: FPÖ nutzt Telegram-App

23. Jänner 2017, 16:35
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Fast alle Parteien registrieren Cyberangriffe, Experte: "Gegen staatliche Attacken machtlos"

Gestohlene E-Mails, die auf Wikileaks auftauchen; die Bitte eines Kandidaten, noch mehr interne Daten seiner Konkurrentin zu enthüllen: Der US-Wahlkampf zeigte deutlich, wie dreckig Kampagnen künftig geführt werden könnten. Auch in Österreich wächst in den Parteien die Sorge darüber, dass interne Kommunikation nach außen dringen könnte. DER STANDARD wollte von den im Parlament vertretenen Parteien erfahren, wie gut sie sich in puncto Cybersicherheit gerüstet sehen.

"Viel investiert"

Offiziell zeigen sich die Parteien gelassen. Die ÖVP hat beispielsweise ihre Cybersicherheit nach dem US-Wahlkampf nicht evaluiert, da man dies ohnehin "laufend und seit Jahren macht". Auch die Grünen haben "in den vergangen zwei, drei Jahren sehr viel in den Bereich IT-Infrastruktur investiert." Die FPÖ vertraut "in manchen Bereichen auch auf langjährige, verlässliche Partner" und überprüft ebenfalls "laufend die Sicherheit unserer Systeme" – genauso wie die SPÖ.

Keine sensiblen Infos via E-Mail

Dennoch zeigen sich alle Parteien einig darin, dass sensible Informationen nicht schriftlich kommuniziert werden dürfen. Bei SPÖ und ÖVP gibt es etwa eine derartige "generelle Anweisung", bei den Neos gibt es "Sicherheitsschulungen", und die Grünen setzten in internen Workshops ebenfalls einen Fokus auf Datensicherheit. In der FPÖ werden verschlüsselte Messenger-Alternativen zu Whatsapp und E-Mail verwendet, beispielsweise Telegram (dessen Sicherheit momentan angezweifelt wird) und Threema. "Wir informieren unsere Mitarbeiter und Abgeordneten über technische Möglichkeiten, verschlüsselt zu kommunizieren", erklärt FPÖ-Pressesprecher Martin Glier auf Anfrage des STANDARD.

"Gegen staatliche Interventionen nichts auszurichten"

Solche Maßnahmen seien sinnvoll, sagt der Cybersicherheitsexperte Walter Seböck von der Donau-Uni Krems zum STANDARD. "Man kann sich vielleicht gegen Hacktivisten schützen, gegen massive staatliche Interventionen kann man aber nichts ausrichten", so Seböck. Der IT-Forscher denkt, dass zumindest vor einiger Zeit bei kleineren Parteien eher mehr Bewusstsein im Bereich Cybersicherheit vorhanden war. Allerdings haben größere Parteien wie die Regierungspartner SPÖ und ÖVP mehr Ressourcen, um sich zu schützen. "Wichtig ist Bewusstseinsbildung und eine starke Verschlüsselung", erklärt Seböck. Aus Erfahrungen im Bereich der Wirtschaftsspionage wisse man, dass "oft die Unternehmensspitze ein geringes Bewusstsein für Cybersicherheit aufweist", so Seböck.

Tatsächlich geben bis auf das Team Stronach und die Neos alle befragten Parteien an, mit Cyberangriffen konfrontiert zu sein. "Es gibt zahlreiche automatisierte DDoS-Angriffe, die das Ziel verfolgen, unsere Server lahmzulegen", heißt es von der FPÖ. Die Partei registriere aber "sehr wohl gezielte, nicht automatisierte Angriffe", die das Ziel hätten, "vertrauliche Daten zu erlangen".

Überwachung wohl länger aktiv

Parteien sind ein logisches Ziel für Geheimdienste, aber auch für politische Gegner. Es ist davon auszugehen, dass die Geheimdienste größerer Staaten – etwa die NSA für die USA, GRU und FSB für Russland – schon seit Jahren aktive Angriffe gegen österreichische Parteien durchführen. Bislang wurden in Österreich allerdings noch keine vertraulichen Informationen über Portale wie Wikileaks und Konsorten veröffentlicht. Das könnte sich mit dem nächsten Wahlkampf, der spätestens 2018 ansteht, durchaus ändern. (Fabian Schmid, 23.1.2017)

  • Die FPÖ setzt intern auf sichere Apps wie Threema, um sich vor Hacks zu schützen.
    foto: apa/barbara gindl

    Die FPÖ setzt intern auf sichere Apps wie Threema, um sich vor Hacks zu schützen.

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