Kolorektale Lebermetastasen: Biomarker erhöht Heilungschancen

23. Jänner 2017, 12:09
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30 Prozent der Patienten können derzeit durch chirurgische Metastasenentfernung in einem multimodalen Therapiekonzept geheilt werden

Ein Forscherteam der MedUni Wien hat in Kooperation mit der University of Southern California einen neuen Biomarker für eine bessere Überlebensprognose nach chirurgischer Entfernung kolorektaler Lebermetastasen registriert. Zugleich wurde eine Änderung der klinischen Bedeutung des Biomarkers nach erfolgter Chemotherapie identifiziert, schrieb die MedUni kürzlich in einer Aussendung.

Lebermetastasen bilden sich aus Krebszellen, die in anderen Organen entstanden und über den Blutstrom in die Leber eingewandert sind. Beim Dickdarm- und Mastdarmkrebs (kolorektales Karzinom) kann durch die chirurgische Entfernung der Metastasen in Kombination mit Chemotherapie eine Heilung der Erkrankung erreicht werden.

Der Wachstumsfaktor VEGF-A (Vascular Endothelial Growth Factor) wird aufgrund von Sauerstoffmangel in den Krebszellen gebildet und treibt die Bildung neuer Blutgefäße zur Versorgung des Tumors an. Durch die Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Bevacizumab, der VEGF-A blockiert, wird dieses Gefäßwachstum beim metastasierten kolorektalen Karzinom gehemmt. Bisher war man der Ansicht, dass VEGF-A in ähnlicher Weise im Primärtumor im Darm wie in seinen Lebermetastasen reguliert wird und eine Hochregulation mit einer schlechteren Prognose assoziiert ist.

Effektive Therapie

"Wir konnten in chirurgisch entfernten Metastasen erstmals zeigen, dass die Behandlung mit Bevacizumab in Kombination mit Chemotherapie vor der Metastasen-Entfernung auch eine Veränderung der klinischen Bedeutung der Wachstumsfaktoren als potenzielle Biomarker bewirkt", sagt Stefan Stremitzer, einer der Studienleiter von der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien.

Die Forscher der Studiengruppe konnten nachweisen, dass eine Hochregulation des mit VEGF-A verwandten Wachstumsfaktors VEGF-B im Primärtumor im Darm vor Therapie mit einer schlechteren Prognose, hingegen eine Hochregulation von VEGF-B in den Lebermetastasen nach der Therapie mit einer besseren Prognose assoziiert war. "VEGF-B könnte also von den Metastasen bei effektiver Blockade von VEGF-A durch Bevacizumab als alternativer Wachstumsfaktor hochreguliert werden und damit als neuer Biomarker für die Effektivität der Therapie dienen", erläuterte Stremitzer.

Zugeschnittene Krebstherapie

Durch eine chirurgische Metastasenentfernung in einem multimodalen Therapiekonzept können derzeit 25 bis 30 Prozent der Patienten geheilt werden, mit Hilfe von neuen Biomarkern könnte diese Rate in Zukunft weiter erhöht werden. Künftig könnte es möglich sein, mit Hilfe von Biomarkern Patienten-Subgruppen zu definieren und diese mit einer zugeschnittenen Krebstherapie zu behandeln bzw. alternative Therapieoptionen zu einer Operation zu finden. Dies muss nun in weiteren prospektiven, klinischen Studien untersucht werden.

"Da VEGF-A und dessen Blockade durch Bevacizumab auch bei anderen Krebserkrankungen wie z.B. Eierstock- oder Brustkrebs eine wichtige Rolle spielen, könnte VEGF-B auch hier in Zukunft als neuer prognostischer Biomarker und als Ziel für neue Medikamente dienen. Auch bei anderen Biomarkern könnte es durch eine Chemotherapie zu einer Änderung der klinischen Bedeutung von Biomarkern kommen", erklärte Stremitzer. (APA, 23.1.2017)

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