Wie Samsungs Debakel mit dem Galaxy Note 7 immer größer wurde

    23. Jänner 2017, 10:45
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    Erste Berichte von Bränden im August, offizieller Rückruf Mitte September

    Samsungs Pleite mit dem Galaxy Note 7 war ein Drama in zwei Akten. Zunächst sollten wegen Brandgefahr rund 2,5 Millionen Geräte ausgetauscht werden, dann brannten auch die Ersatzgeräte. Samsung stellte das Modell komplett ein. Eine Chronologie:

    2. August: Samsung stellt das "Phablet" mit der Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll vor. Das Vorzeigemodell soll im oberen Preissegment punkten, in dem Apple mit seinem iPhone stark ist. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet später, Samsung habe sich beeilt, es deutlich vor dem September-Marktstart des iPhone 7 auf den Markt zu bringen.

    19. August: Das Galaxy Note 7 kommt in mehreren Ländern in den Handel. Nach und nach gibt es Berichte von Nutzern über brennende oder zumindest überhitzte Telefone. Ein Überblick über das Ausmaß des Problems fehlt zunächst.

    2. September: An dem Tag, an dem das Note 7 unter anderem auch in Deutschland breit in den Handel kommen sollte, gibt Samsung eine weltweite Umtauschaktion bekannt. Zunächst ist von 35 bestätigten Zwischenfällen die Rede.

    8. September: Die US-Flugaufsicht FAA und dann auch ihr europäisches Pendant EASA verbieten, Geräte des Modells in Flugzeugen zu nutzen oder aufzuladen. Sie dürfen auch ausgeschaltet nicht ins aufgegebene Gepäck.

    16. September: In den USA gibt es auch einen offiziellen Rückruf über die Verbraucherschutz-Behörde CPSC. Dabei werden deutlich mehr Fälle bekannt. Allein in dem Land seien demnach 26 Verbrennungen und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet worden.

    19. September: Samsung leitet den Austausch der Geräte ein. Zugleich wird der Verkauf von Beteiligungen an anderen Tech-Unternehmen im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Mio. Euro) bekannt. Die Kosten des Rückrufs für Samsung werden auf mindestens eine Milliarde Dollar (rund 940 Mio. Euro) geschätzt.

    22. September: Die südkoreanische Behörde für Technologie und Standards (KATS) fordert von Samsung vor der Wiederaufnahme des Verkaufs zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Unter anderem solle jede Batterie für das Gerät einem Röntgentest unterzogen werden.

    27. September: Samsung kündigt an, dass das Note 7 in Europa am 28. Oktober wieder regulär in den Handel kommen soll.

    5. Oktober: Ein gerade ausgeschaltetes Note 7-Gerät in einem Flugzeug, das vor dem Abflug noch am Gate steht, gerät in Brand. Nach Darstellung des Besitzers ist es bereits ein Austauschgerät.

    9. Oktober: Es werden vier weitere Fälle bekannt, in denen US-Verbraucher von Bränden mit Ersatzgeräten berichten. Zwei davon füllten demnach in der Nacht ein Schlafzimmer mit Rauch. Ein Telefon soll sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens in einer Schule entzündet haben. Die Mobilfunk-Anbieter AT&T, Verizon und T-Mobile US geben an ihre Kunden gar keine Note 7 mehr aus.

    11. Oktober: Innerhalb weniger Stunden stoppt Samsung erst den Verkauf der Geräte und gibt dann bekannt, dass die Produktion komplett eingestellt wird. Verbraucher werden aufgefordert, auch die Ersatzgeräte nicht mehr zu benutzen und zurückzugeben – oder gegen andere Modelle einzutauschen.

    23. Jänner: Nach monatelangen Untersuchungen stellt Samsung seinen Bericht vor. Demnach gab es zwei verschiedene Fehler in den ersten Batterien und den Akkus der Austauschgeräte. Das Design des Smartphones selbst sei nicht das Problem gewesen. (APA, 23.1.2017)

    • Koh Dong-Jin, Präsident von Samsung Electronics Mobile Communications, erklärte am Montag, warum es beim Galaxy Note 7 zu Bränden gekommen war.
      foto: reuters/ hong-ji

      Koh Dong-Jin, Präsident von Samsung Electronics Mobile Communications, erklärte am Montag, warum es beim Galaxy Note 7 zu Bränden gekommen war.

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