Die richtige Strategie macht eine Firma zum Wachstumskaiser

23. Jänner 2017, 08:12
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84 mittelgroße österreichische Unternehmen mit überdurchschnittlichem Wachstum – Bürokratieabbau wichtigste Unterstützung, vor Infrastrukturausbau

Wien – Ob eine Firma überdurchschnittlich stark wächst und Jobs schafft, hängt vor allem an der Firmenstrategie. Alter der Firma, Größe oder Standort spielen hingegen keine Rolle, zeigt eine BCG-Studie. 84 österreichische Firmen mit Umsätzen zwischen 100 Millionen und 5 Milliarden Euro hatten dafür das richtige Rezept, sie haben von 2006 bis 2014 ihre Umsätze verdoppelt und weltweit über 100.000 Jobs geschaffen.

Die Studie ging der Frage nach, warum es diese Firmen geschafft haben, weit überdurchschnittlich (über 50 Prozent mehr als der globale Branchenschnitt) zu wachsen, sagte Hannes Pichler, Partner und Österreich-Chef der Boston Consulting Group (BCG), im Gespräch mit der APA. Es gebe meist spezifische Gründe, etwa eine Person mit einer Idee und viel Energie, oder ein Patent, das genutzt und weiterentwickelt wird. Dazu brauche es aber viel kreativen Geist und Innovation. Typischerweise beginne die Erfolgsgeschichte in einer Nische, die dann entweder regional ausgeweitet wird, im Idealfall auf die ganze Welt, oder inhaltlich auf verwandte Produkte ausgedehnt.

Weniger Bürokratie

Aus Einzelinterviews mit Firmen habe er mitgenommen, dass der wichtigste Wunsch an den Staat sei, möglichst wenig Bürokratie zu haben. "Die bürokratischen Hürden, um Unternehmen zu gründen, müssen so niedrig wie möglich sein", betont Pichler. Ein konkretes Anliegen sei dabei die Flexibilisierung. Heutzutage müssen Firmen sehr schnell auf sich ändernde Bedingungen reagieren, da müsse auch das bürokratische Umfeld flexibel sein. Arbeitnehmerschutz sei wichtig, aber individuelle Lösungen etwa für die Arbeitszeit auch. Außerdem müsse der Staat den Firmen ermöglichen, mit den kreativsten Köpfen aus der ganzen Welt zu arbeiten. "Das wesentliche Asset ist die Brain Power", formuliert es Pichler.

Unternehmen brauchen natürlich auch eine gute Infrastruktur, aber "das kommt nie an erster Stelle". Noch nie sei ein Unternehmen nur wegen einem besonders guten Internetanschluss überdurchschnittlich gewachsen. Das zeige sich auch daran, dass Firmen mit starkem und schlechtem Wachstum die gleiche Infrastruktur zur Verfügung haben, gibt Pichler zu bedenken.

Standort wichtig

Pichler sieht einen umgekehrten Zusammenhang zum Standort: "In Regionen mit rückläufiger Bevölkerung gibt es keine Wachstumskaiser", sagt er. Denn wenn es keine schnell wachsenden Firmen gebe, sei es schwierig, Menschen, vor allem besonders engagierte Menschen, dort hinzubekommen. Man könnte zwar annehmen, dass sich Firmen in Wachstumsregionen ansiedeln, aber die Datenlage unterstütze dies nicht: Keines der beobachteten Unternehmen sei in den letzten Jahren umgezogen und im Schnitt waren die Firmen zu Beginn des Beobachtungszeitraumes bereits 30 Jahre alt. Gute Firmen ziehen gute Firmen und Arbeitnehmer an, "mobile Köpfe" ziehen in Regionen, wo sie mehrere Optionen haben, schließt Pichler aus den Daten. Darum seien Cluster – etwa der Autocluster in der Steiermark – so erfolgreich.

Das ist ein Grund, warum Pichler Umsatzwachstum von Firmen für unerlässlich für die positive Wirtschaftsentwicklung hält. Aber nicht nur für die Volkswirtschaft seien solche schnell wachsenden Firmen, Pichler nennt sie "Growth Dynamos", wichtig. Auch für die Firmen selber sei Wachstum nötig, da nur so die besten und motiviertesten Mitarbeiter gehalten werden können. Diese wollen sich weiterentwickeln und brauchen daher Karrierereperspektiven, die ein statisches Unternehmen nicht bieten kann – Top-Leute gehen daher oft wieder von Bord. Und schließlich treibe Umsatzwachstum auch die Marktkapitalisierung (TSR) – mittelfristig (10 Jahre) hänge der Anstieg der Marktkapitalisierung zu drei Viertel vom Umsatzwachstum ab.

800 Firmen

BCG hat in Österreich 800 Firmen mit Umsätzen zwischen 100 Millionen und fünf Milliarden Euro ausgemacht. Zehn Prozent von ihnen (84) wuchsen überdurchschnittlich. Sie hatten keine sichtbaren Vorteile gegenüben den langsamer wachsenden Vergleichsfirmen, die nur um 16 Prozent zulegten, außer einer guten Strategie und einem ausgewogenen Verhältnis zwischen organischem Wachstum und Zukäufen. Firmen, die dabei sein wollen, sollten aber über lokale Grenzen hinausdenken, sagt Pichler. Denn sonst seien die Wachstumschancen begrenzt.

Wie dynamisch diese 84 Firmen beim Jobwachstum sind, zeigt ein anderer Vergleich: Sie schufen weltweit, also nicht nur in Österreich, über 100.000 Jobs. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der unselbstständig Beschäftigten in Österreich in der Gesamtwirtschaft um 220.000 bis 240.000 gestiegen.

Am Weg zum Wachstum solle man aber nicht nur auf spektakuläre Maßnahmen setzen, auf radikale Innovationen oder milliardenschwere Mega-Fusionen. Sehr erfolgreich sei es auch, Ideen anderer Firmen aufzugreifen und "neu zu interpretieren", empfiehlt Pichler. Das sei in Asien deutlich gängiger, während es in Europa vor allem "für etwas neu Gedachtes einen Stern auf der Schulterklappe gibt". Auch Zukäufe können klein sein, in Summe aber zu starkem Wachstum führen.

Die Wachstumskaiser sind auch nicht auf spezielle "moderne" Branchen angewiesen: Gut die Hälfte (52 Prozent) der besonders stark wachsenden heimischen Firmen waren in den Branchen Automobil, Maschinenbau, Papier/Verpackung und Tourismus aktiv.

Nicht genauer untersucht hat BCG die lediglich acht österreichischen Firmen mit mehr als 5 Milliarden Euro Umsatz. Im internationalen Vergleich hat Österreich nur wenige Umsatzriesen, in Dänemark sind es 11, in Schweden 23 und in der Schweiz 45. (APA, 23.1.2017)

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