Antiker römischer Kühlschrank soll im Test beweisen, was er kann

22. Jänner 2017, 18:37
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Bei Grabungen entdeckter Schacht bei Basel wird zur Gemüselagerung mit Schnee und Eis gekühlt

Basel – Archäologen haben bei Grabungen in der Schweizer Gemeinde Kaiseraugst (Kanton Aargau) einen Schacht entdeckt, der den alten Römern als Kühlschrank gedient haben könnte. Um ihre Vermutung zu untermauern, machen Basler Forscher nun die Probe aufs Exempel: Sie wollen den Schacht mit Schnee und Eis füllen und während der warmen Jahreszeit allenfalls auch Gemüse einlagern.

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit behalf man sich mit Eiskellern, um Verderbliches zu lagern. Dass auch die Römer diesen Trick beherrschten, verraten diverse antike Schriftquellen. "Darin finden sich zum Beispiel Anekdoten wie die, dass Kaiser Nero sich sein Bad im Sommer mit Schnee aus den Albaner Bergen kühlen ließ", erzählte Archäologe Peter-Andrew Schwarz von der Universität Basel.

Vier Meter tiefe Schächte

Auch für die Lagerung von Fleisch, Austern oder Käse, für die es Temperaturen um die acht Grad Celsius braucht, sowie für eisgekühlten Wein, den man in der Antike gerne genoss, war in der wärmeren Jahreszeit eine Kältequelle nötig. Abhilfe schafften höchstwahrscheinlich trocken gemauerte, rund vier Meter tiefe Schächte, die während der Wintermonate mit Schnee und Eis gefüllt und mit Stroh abgedeckt wurden.

Ob sich so tatsächlich Schnee und Eis über den Sommer hinweg lagern lässt, wollen Schwarz und sein Team nun bei einem solchen römischen Schacht in der westlichen Unterstadt von Augusta Raurica bei Basel testen. Ein erster Versuch im vergangenen Jahr sei schiefgegangen, berichtete der Archäologe. "Die Witterung war zu mild und wir haben den ganzen Schnee in einer Fuhre eingefüllt", benennt er zwei der Probleme. Dadurch habe sich der Schnee nicht verdichten können, was ihn wohl haltbarer gemacht hätte.

Mehr Schnee vor 2.000 Jahren

Diesmal wollen die Forschenden mehrmals mit gewissen Zeitabständen Schnee einfüllen. Durch den Klimawandel falle heute in der Gegend von Augusta Raurica deutlich weniger Schnee als noch im 1. oder frühen 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, als der Schacht als Vorratslager für Schnee und Eis genutzt worden sein könnte, so Schwarz.

Eine andere Veränderung seit der damaligen Zeit: Der Rhein trägt kein Eis mehr. Seit in den 1920er-Jahren die ersten großen Kraftwerke gebaut wurden, treiben keine Eisschollen mehr an Kaiseraugst vorbei. Die Archäologen vermuten jedoch, dass die Römer sie ebenfalls nutzten, um den Kühlschacht zu füllen. Als Ersatz nutzen die Forschenden nun Blockeis.

Im Laufe des Jahres wollen die Wissenschafter die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit am Boden des Schachtes, oben im Schacht und draußen fortlaufend messen. Auch ein Praxis-Test mit Gemüse sei geplant, verriet Schwarz. Ob der Schacht wirklich als Kühlschrank genutzt wurde, könne das Experiment zwar nicht beweisen. "Aber wir wollen zeigen, dass es prinzipiell möglich war." (APA, red, 22.1.2017)

  • Die vor rund 2.000 Jahren gegründete römische Kolonie Augusta Raurica lag am Südufer des Rheins einige Kilometer östlich von Basel.  Zu ihrer Blütezeit lebten hier 15.000 Menschen, die alles geboten bekamen, was zu einem römischen Leben gehörte. Dazu zählten offenbar auch Vorrichtungen zur kühlen Lagerung von Lebensmittel während der Sommermonate.
    foto: augusta raurica

    Die vor rund 2.000 Jahren gegründete römische Kolonie Augusta Raurica lag am Südufer des Rheins einige Kilometer östlich von Basel. Zu ihrer Blütezeit lebten hier 15.000 Menschen, die alles geboten bekamen, was zu einem römischen Leben gehörte. Dazu zählten offenbar auch Vorrichtungen zur kühlen Lagerung von Lebensmittel während der Sommermonate.

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