17-jähriger Terrorverdächtiger besuchte mutmaßlichen Komplizen in Neuss

23. Jänner 2017, 18:01
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Der in Wien festgenommene 17-Jährige sei "nicht harmlos", sagt Innenminister Sobotka. Die Polizei überprüfe ein diesbezügliches "Kommunikationsnetz"

Wien/Neuss – Der am Freitag in Wien festgenommene 17 Jahre alte Terrorverdächtige war nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler im Dezember zwei Wochen zu Besuch bei seinem mutmaßlichen Komplizen in Neuss in Nordrhein-Westfalen. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, Ralf Herrenbrück, am Montag.

In dieser Zeit seien wohl Dinge "in Richtung Sprengstoff vorbereitet worden", sagte der Oberstaatsanwalt, ohne Details zu nennen. Bei der Durchsuchung der Wohnung des 21-jährigen Deutschen wurden nach Angaben der Behörde keine Sprengmittel beschlagnahmt, dafür Handys und ein Laptop. Die Kontaktdaten würden nun ausgelesen – inwieweit es Verbindungen mit Szenebezug gebe, könne man vorläufig noch nicht sagen.

Der 21-Jährige sei im einschlägigen Sinn nicht polizeibekannt gewesen, wohl aber im allgemeinen Sinn, sagte Herrenbrück. Er wird nach seiner Festnahme von Ermittlern des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen einvernommen. Diese gehen davon aus, dass er den Wiener Terrorverdächtigen über Foren in den sozialen Medien kennengelernt hat.

Weitere Hausdurchsuchungen

Innenminister Wolfgang Sobotka berichtete am Montag im Ö1-"Morgenjournal" von weiteren Hausdurchsuchungen und Vernehmungen in Österreich nach der Festnahme eines Terrorverdächtigen in Wien. Weitere Ermittlungen werde es zudem in Deutschland und anderen Ländern geben. Es gebe aber keinen Verdacht auf einen weiteren konkreten Anschlagsplan.

Sobotka betonte auf Ö1, dass es sich bei dem 17-Jährigen um keinen "harmlosen Tatverdächtigen" handle. "Da steckt schon etwas dahinter, da gibt es ein richtiges Kommunikationsnetz, das überprüft wird." Das zeige, dass der Verdächtige "schon ein Gewicht" habe. In den Einvernahmen habe der Niederösterreicher mit Migrationshintergrund zu Protokoll gegeben, dass er einen salafistischen Hintergrund und Kontakte zur Terrormiliz IS habe.

Mutmaßlicher Komplize wird befragt

Nach der Festnahme eines mutmaßlichen Komplizen in Neuss sind umfangreiche grenzüberschreitende Ermittlungen angelaufen. Der 21-Jährige soll laut Behörden in Nordrhein-Westfalen an diesem Montag intensiv befragt werden. Zudem werden die Datenträger untersucht, die am Samstag bei der Festnahme beschlagnahmt wurden.

Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck hatte am Sonntag bestätigt, dass es einen Zusammenhang zwischen einer Amtshandlung in Neuss und jener in der Bundeshauptstadt gibt. Die Tageszeitung "Österreich" berichtete darüber, der Hinweis auf den Mann in Deutschland sei aus Wien gekommen.

Wie "Focus Online" aus Justizkreisen erfuhr, soll der Verdächtige aus Neuss einen Bombenanschlag auf Polizisten und Bundeswehrsoldaten geplant haben. Den Ermittlungen zufolge stand der 21-Jährige in engem Kontakt zu dem 17-jährigen aus Wien mit dem Kampfnamen Abu Chaker. Die beiden sollen in der Neusser Wohnung mit Mitteln zur Herstellung von Sprengstoff experimentiert haben. Innenminister Sobotka wollte dies mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht bestätigen.

Computer und Handys beschlagnahmt

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat dem Bericht zufolge gegen den mutmaßlichen Komplizen des 17-Jährigen einen Haftbefehl wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat eingeleitet. Auch die Ehefrau des 21-Jährigen wurde bei der Durchsuchung angetroffen und vorläufig festgenommen. Ferner wurden Computer, Handys und Datenträger beschlagnahmt. (APA, red, 23.1.2017)

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    foto: apa/helmut fohringer
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