"Resonanzen": Freizeitangebot mit Eselsohren

22. Jänner 2017, 14:48
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Alte Musik im Wiener Konzerthaus

Wien – Einerseits ist es erwartbar, was bei den Resonanzen geboten wird: alte Musik für einen eingefleischten Kreis von Fans, interpretiert von ausgewiesenen Spezialisten und jungen Enthusiasten, gerne mit dem Hauch des Ungewöhnlichen. Anderseits umgibt ein solcher Hauch dieses Festival insgesamt, das heuer übrigens zum 25. Mal stattfindet – was freilich ganz unprätentiös fast nicht einmal erwähnt wird.

Es wird jedes Mal einiges an Gedankenarbeit in das Festival-Motto und seine Umsetzung investiert. Diesmal kreist das Programm um das Thema "Freizeiten" – wie immer mit originellen Querverbindungen, die sich nicht überall zwingend auf die gespielte Musik beziehen, aber immerhin mit ihr zusammendenken lassen.

Vor- und Nachspiele

Das Programmbuch bringt kulturgeschichtliche Einblicke in die Geschichte der Freizeit, und das Rahmenprogramm bietet für jene, die noch mehr Freizeit als für die zentralen Veranstaltungen investieren können, eine Reihe von "Vorspielen" und "Nachspielen", also kleine Konzerte, Filme, aber auch einen Barocktanzkurs. Die traditionelle Ausstellung Historischer Instrumentenbau hat bereits am Wochenende stattgefunden. Da führte auch das Eröffnungskonzert gewissermaßen ins Thema ein – mit einer Tafelmusik von Georg Philipp Telemann sowie mit zwei wenig bekannten weltlichen Kantaten von Johann Sebastian Bach, die vom Thomaskantor und seinen Mitstreitern im Leipziger "Caffee-Hause" von Gottfried Zimmermann aufgeführt wurden – und zwar unter der Bezeichnung "Dramma per musica", also in zumindest gattungstheoretischer Nähe zur Oper.

König Midas' Ohren

Bachs Musik stellt ihre Inhalte allemal mit rhetorischer Intensität dar. Und Ton Koopman sorgte mit seinem Amsterdam Baroque Orchestra & Choir und durchwegs tollen Gesangssolisten sowohl bei "Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten" als auch "Geschwinde, ihr wirbelnden Winde" ("Der Streit zwischen Phoebus und Pan") für beständigen Fluss und plastische Figurationen. Selbstredend wurde sowohl bei Naturschilderungen als auch bei einem musikalischen Witz wie jenem, dass die Eselsohren von Midas durch abstruse Intervallsprünge karikiert werden, maximaler Effekt erzielt.

Ansonsten schnurrte der Abend – auch bei Telemann – glänzend und weitestgehend pannenlos ab, aber immer auch ein wenig beiläufig. Das störte freilich den Erholungswert dieses Freizeitangebots nicht. (Daniel Ender, 22.1.2017)

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