Koalitions-Disput über Nachforschungen zu Kerns Diplomarbeit

22. Jänner 2017, 11:40
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Wieder stehen in der Koalition "Dirty Campaigning"-Vorwürfe im Raum, die ÖVP weist diese aber zurück

Wien – Plagiatsexperte Stefan Weber hatte die Diplomarbeit von Kanzler Christian Kern (SPÖ) zur Prüfung am Tisch. Das Ergebnis: sie ist blitzsauber. Dass nicht bekannt ist, wer sie prüfen ließ, sorgte am Samstag allerdings für einen koalitionären Disput.

Weber ist der Plagiatsspezialist und hatte Kerns 1997 am Publizistik-Institut der Uni Wien verfasste Diplomarbeit "Media Monitoring: die innenpolitische Berichterstattung der österreichischen Tages-und Wochenzeitungen 1993" zu untersuchen. Er fand keinen Grund zur Beanstandung.

Erklärung gefordert

Dass aber jemand rund um Kerns Wechsels ins Kanzleramt "aktiv nach Material für eine Schmutzkübelkampagne" suchte, "irritierte" SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler – und er fand es "auffällig, dass die ÖVP erst vor kurzem sehr ähnliche Vorwürfe in unsere Richtung geäußert hat. Es stellt sich die berechtigte Frage, ob die ÖVP mit ihren Vorwürfen, die jeder Grundlage entbehren, von ihren eigenen Schmutzkübel-Recherchen ablenken will". Er wolle freilich niemanden haltlos beschuldigen, beteuerte er, und forderte von ÖVP-Generalsekretär Werner Amon eine Erklärung ein, dass nicht dessen Partei hinter dem gescheiterten Dirty-Campaigning-Versuch steht.

Dieser antwortete prompt: "Die ÖVP hat mit Schmutzkübelkampagnen gegenüber dem Bundeskanzler nichts am Hut", betonte er ebenso in einer Aussendung. Die ÖVP lehne Dirty Campaigning zur Gänze ab, "daher gilt das Null-Toleranz-Prinzip sowohl gegenüber politischen Mitbewerbern als auch für die eigenen Funktionäre und Mitarbeiter". Deshalb werde er "sicherheitshalber auch in den eigenen Reihen" Recherchen anstellen.

Die ÖVP hat dem Plagiatsexperten Stefan Weber "keinen Auftrag erteilt, die Diplomarbeit von Herrn Mag. Kern zu überprüfen". Das teilte Weber selbst in einer Stellungnahme per E-Mail mit. Wer ihn beauftragt hat, verriet er nicht. Bei Auftragsprüfungen werde immer eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben, die Informationen an Dritte ausschließe. (APA, 22.1.2017)

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