"Urban Empire" im Test: Es ist schwer, Michael Häupl zu sein

    28. Jänner 2017, 11:00
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    Städtebau-Simulation mit interessanten neuen Ansätzen und hohem Schwierigkeitsgrad

    Städtebau-Simulationen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. "Sim City", "Cities XXL" oder "Cities Skylines", um nur ein paar wenige zu nennen. Es ist also recht mutig, in dieses bereits gesättigte Genre mit einem neuen Ableger einzusteigen. Das finnische Entwicklerstudio Reborn Games hat es trotzdem gewagt und mit "Urban Empire" ein Städtebau-Spiel geschaffen, das im Vergleich mit der Konkurrenz einen deutlich anderen Weg geht und trotzdem eine Menge Spaß macht. Der GameStandard konnte zwei Wochen lang die Beta-Version testen und das Bürgermeister-Zepter schwingen.

    Vier unterschiedliche Dynastien zur Auswahl

    Bei "Urban Empire" wird im Jahr 1820 gestartet. Der Kaiser des österreichischen Reichs will eine neue Stadt aufbauen, und wie es sich so ergibt, entstammt man aus einer von vier wählbaren Familien, die dazu ausgewählt wurden. Bereits in dieser frühen Spielphase muss eine politische Richtungsentscheidung getroffen werden, da die Familien in ihren Ansichten und Zielen nicht unterschiedlicher sein könnten. So spielt man etwa als Technokrat aus dem fiktiven Sant’Elias-Clan oder arbeitet als Kilgannons auf einen Aufstieg der Arbeiterklasse hin.

    Wenn man anfängt, Demokratie zu verdammen

    Politik spielt im Gegensatz zu anderen Städtebau-Simulationen bei "Urban Empire" prinzipiell eine sehr große Rolle. Als Bürgermeisterin oder Bürgermeister ist man mit Parteien im Parlament konfrontiert, die einem das Leben schwermachen. Entscheidungen müssen durchgeboxt werden, und im schlimmsten Fall wird man sogar abgewählt. Diese Neuerung ist durchaus erfrischend, wenngleich anfangs etwas zu simpel gestaltet, da in den meisten Fällen bei genug Einkommen die Parteien zustimmen beziehungsweise mit Nachdruck sich schließlich doch umstimmen lassen. Im späteren Verlauf des Spiels wird es hier deutlich anspruchsvoller.

    Geschichte realitätsnah durchlaufen

    Bei "Urban Empire" entwirft man Bezirke, teilt diese in bewohnbare Gebiete und Gewerbe- beziehungsweise Industrieviertel auf und reagiert auf lokale sowie internationale Events, die im Laufe der Zeit auftreten. Historisch korrekt ist "Urban Empire" nicht, allerdings wurde die Geschichte möglichst realitätstreu aufbereitet. Zugleich wird während des Spiels beständig geforscht, um die Innovationen wiederum in der Stadt zu verwenden. Von der Gasleitung bis zum Internetzugang vergeht eine Menge Zeit, und dazwischen liegen einige Richtungsentscheidungen, die das eigene politische Ende bedeuten können.

    Nichts für schwache Nerven und Casual-Gamer

    Hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades wurde bei "Urban Empire" vieles richtig gemacht. Während sich das Spiel bei anderen Städtebau-Simulationen nach einer gewissen Zeit zu einem Selbstläufer entwickelte, bietet das Game einen überraschend hohen Herausforderungsgrad. Oft schlittert man in den Konkurs oder wurde aufgrund einer falschen Entscheidung abgewählt. Für Sandbox-Fans, die nur drauf los bauen und mit komplexen politischen Entscheidungen und Budgetierung nichts zu tun haben wollen, ist das Game eher weniger geeignet.

    Sei nett zu deinem Nachwuchs, sonst ...

    Fans von Wirtschaftssimulationen werden hingegen ihre Freude haben, da das Spiel eine unglaubliche Spieltiefe bietet und selbst nach mehreren Stunden Spieldauer noch fordert. Zudem wird nicht durchgehend nur als eine Bürgermeisterin oder Bürgermeister gespielt, sondern die gesamte Dynastie einer Familie durchlaufen. Auch hier hat man eine gewisse Einflussnahme, da man als Vater oder Mutter das eigene Kind prägt, das man wiederum nach einer Zeit selbst spielt und mit dessen Charakter zurechtkommen muss. Die Eigenschaften haben nämlich Einfluss auf die eigene politische Arbeit.

    Die Stadt wächst und ist hübsch anzusehen

    Während das politische Oberhaupt wechselt, verändert sich auch die Stadt deutlich. 1820 gestartet, kann bis ins Jahr 2020 vorgedrungen werden. In dieser Zeit wachsen die Häuser, die Straßen werden breiter und asphaltiert, und auch die Fabriken wandeln sich von Giftschleudern zu Hightechbetrieben. "Urban Empire" bietet dabei eine große Detailverliebtheit, in der man sich schnell verlieren kann. Insgesamt läuft das Spiel auch recht flüssig, wenngleich es zumindest bei unserem Test-System (FX 8350, R9 270X und 16 GB RAM) im späteren Verlauf des Spiels selten, aber doch vereinzelt FPS-Einbrüche gab.

    Fragezeichen in Sachen Wiederspielbarkeit

    Wo viel Licht, da auch Schatten, und der wohl größte Kritikpunkt an "Urban Empire" ist die Wiederspielbarkeit. Das Game bietet bei einem Durchlauf etliche Stunden Spielzeit, fraglich ist allerdings, ob man es nach einer durchgespielten Stadt noch einmal angreift. Prinzipiell unterscheiden sich die vier spielbaren Familien, allerdings treten manche Events regelmäßig auf. Wie allerdings bereits erwähnt, bietet "Urban Empire" eine recht hohe Spieltiefe, der Autor des Textes war nach sechs Stunden Spielzeit erst in der dritten von fünf Ären angelangt.

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    Trailer zu "Urban Empire".

    Fazit

    Insgesamt ist mit "Urban Empire" eine gute Städtebau-Simulation gelungen, die erfrischend neue Ansätze in das eingefahrene Genre mit sich bringt. Politik und Wirtschaft stehen im Vordergrund, während das Bebauen eher nebensächlich ist. Die Nähe zu historischen Entwicklungen und dadurch eintretende Events wissen ebenso zu gefallen, einziger Kritikpunkt an dem Spiel ist die geringe Wiederspielbarkeit, da das Game zu wenig Variation bietet. "Urban Empire" ist auf jeden Fall nicht für jedermann und auch kein Pflichtspiel für Genrefans, allerdings bietet es einen interessanten komplexen Gegenpol zu bisherigen Städtebau-Spielen. (Daniel Koller, 28.01.2017)

    "Urban Empire" ist für PC zum Preis von 44,99 Euro erschienen.

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      bild: urban empire
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