Schneeproduktion: Konflikt um den Wasserverbrauch

    23. Jänner 2017, 10:53
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    Die Frage, wie viel und welches Wasser zur künstlichen Beschneiung von Skipisten genutzt werden darf, sorgt für Konflikte. Experten verweisen auf Effizienzsteigerung als Lösung

    Graz/Innsbruck/Linz/Salzburg – Im Tiroler Oberland sorgen die Pläne der Landesregierung, rund 100 Bach- und Flussabschnitte unter Schutz zu stellen, für Widerstand in der Tourismusbranche. Denn das würde bedeuten, dass man aus diesen kein Wasser mehr für die Schneeproduktion entnehmen darf.

    Der Wintertourismus in den Alpen steht vor dem Dilemma, dass angesichts wachsender Skigebiete und steigender Temperaturen der Wasserverbrauch für die Schneeproduktion stetig zunimmt. Davon zeugt die steigende Zahl an Speicherseen. Die werden in der Regel über die Sommermonate mit Wasser befüllt, um dieses im Winter zum Beschneien verwenden zu können. Zusätzlich entnehmen viele Skiorte Wasser aus Fließgewässern, um es direkt für die Beschneiung zu nutzen. Die erlaubte Entnahmemenge ist streng reglementiert.

    Kontrollen mangelhaft

    Allerdings hapert es an Kontrollen, wie auch der Präsident der Österreichischen Arbeiter-Fischer-Vereine, Volksanwalt Günther Kräuter, zum STANDARD sagt: "Dass Wasser oft über das erlaubte Maß entnommen wird, ist ja evident. Ganz einfach, weil auch die Kontrolle zu locker ist. Das höre ich immer wieder aus den Bundesländern."

    Neben der Schneeproduktion bedienen sich auch Wasserkraftwerke und die Landwirtschaft an den Fließgewässern, was in Trockenperioden zu Engpässen führen kann. Für Kräuter stellt sich daher die Frage: "Was ist uns wichtiger: die Umwelt und der Fortbestand von mit Fischen belebten Flüsse oder der Tourismus und die wirtschaftlichen Interessen von Skigebieten? Für die Fischerei ist die übermäßige Entnahme von Wasser jedenfalls eine Katastrophe."

    Wasser von Kraftwerken

    Johannes Kostenzer, Landesumweltanwalt von Tirol, warnt davor, eine Konkurrenz zwischen dem Tourismus und der Energiewirtschaft aufkommen zu lassen, weil dabei die Gewässer auf der Strecke bleiben würden. Sein Vorschlag lautet: "Man könnte Wasser, das für Kraftwerke entnommen wird, zum Teil für Beschneiung nutzen. Und die Skigebiete ersetzen dies den Kraftwerken." Auf diese Weise wäre auch die Kontrolle der entnommenen Wassermenge gewährleistet.

    Im Schneezentrum Tirol, einer Forschungseinrichtung, verfolgt Michael Rothleitner einen konsensorientierten Ansatz. Als ehemaliger Chef der Bergbahnen Mayrhofen im Zillertal kennt er die Praxis. Rothleitner glaubt nicht, dass die für Beschneiung entnommene Wassermengen in TirolsFließgewässern ein Problem darstellen, weil sie mit strengen Auflagen verbunden sind. Auch in Salzburg und Oberösterreich verweisen die Behörden auf genaue Richtlinien zur Entnahme, die auch eingehalten würden. Allerdings weiß Rothleitner von Problemen in der Steiermark und Kärnten.

    Er verweist auf Effizienzsteigerung als Lösung. Ökologie und Ökonomie würden im Wintertourismus letztlich dieselben Ziele verfolgen. Mit besserer Technik und Schneemanagement wären bis zu 30 Prozent Einsparungspotenzial bei der Kunstschneeproduktion möglich. Das würde Kostenersparnis und weniger Energie- und Wasserverbrauch bedeuten. (ars, mue, mro, ruep, 23.1.2017)

    • Schneekanonen sind für den Wintertourismus nötig, aber ihre Wasserverbrauch erhitzt die Gemüter.
      foto: dpa / hildenbrand

      Schneekanonen sind für den Wintertourismus nötig, aber ihre Wasserverbrauch erhitzt die Gemüter.

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