Bawag strauchelt bei Kontokündigungen

20. Jänner 2017, 23:41
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Datenweitergabe an neue Institute läuft schleppend – Verwaltungsstrafe droht

Wien – Mehr für sein Konto bezahlen oder gehen. Das ist die Wahl, vor die die Bawag PSK im vergangenen November rund 20.000 Kunden gestellt hatte. Wenn diese nicht auf ein teureres Kontopaket umsteigen, kündigt die Bank den Kontovertrag per Ende Jänner, der Standard berichtete.

Ein paar Tage vor Ende dieser Frist laufen die Telefone bei den Konsumentenschützern erneut heiß. Der Grund: Die Datenweitergabe funktioniert in vielen Fällen nicht. Eine betroffene Kundin berichtete dem Standard, dass sie sich für einen Bankwechsel entschieden hat. Am 16. Dezember wurde das neue Konto eröffnet. Bis heute habe die neue Bank aber die Daten – etwa über Einziehungs- oder Daueraufträge – nicht von der Bawag erhalten. Nun müsse sich die Kundin selber um die Datenweitergabe kümmern.

Rechtlich ist das Vorgehen der Bawag, das alte Konto zu kündigen, gedeckt. Was das Institut im November noch "Sortimentsbereinigung der alten Kontomodelle, die nicht mehr im Angebot sind" nannte, kann für die Bank nun aber ein Nachspiel haben. Denn das seit September 2016 geltende Verbraucherzahlungskontogesetz regelt auch, dass eine Bank innerhalb von fünf Werktagen einer neuen Bank alle Informationen und Daten des wechselnden Kunden zur Verfügung zu stellen hat. Sonst droht eine Verwaltungsstrafe von bis zu 30.000 Euro.

Beschwerde einbringen

"Wir raten den betroffenen Kunden, diese Verzögerungen bei der Finanzmarktaufsicht FMA anzuzeigen", sagt Martin Korntheurer, Finanzexperte bei den Konsumentenschützern der AK Wien. Eine Beschwerde einzubringen, funktioniert über die Homepage der FMA, in dem unter dem Punkt "Verbraucher" das Beschwerdeformular ausgefüllt wird. Man kann sich auch via Brief, E-Mail oder telefonisch bei der Behörde melden. Dort häufen sich die diesbezüglichen Beschwerden auch schon. "Wir haben die Bawag PSK bereits angewiesen, diese Probleme rasch zu lösen", sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik.

In der Bawag wird das Problem hingegen nicht als groß eingestuft. Der Kontowechselservice "stellt jedoch nicht nur unsere Bank in Anbetracht der Komplexität von Girokontoübertragen vor gewisse Probleme und liegt unter anderem darin begründet, dass der Informationsaustausch zwischen aufnehmender und abgebender Bank noch nicht reibungslos eingespielt ist und es zu Schnittstellenproblematiken kommt", heißt es in einer Stellungnahme der Bank.

Bank kalmiert

Die überwiegende Mehrheit der betroffenen Kunden sei ohnedies auf ein aktuelles Kontomodell umgestiegen. Jene Kunden, die noch nicht reagiert haben, wurden via Brief Mitte Jänner an die bevorstehende Kontoschließung erinnert.

Funktioniert die Datenübergabe nicht fristgerecht, kann das für Kunden zum Nachteil werden. Denn eventuell muss das Konto bei der Bawag noch länger bezahlt werden, weil etwa Miete oder Strom noch von diesem Konto abgezogen werden. Hat jemand sein altes Bawag-Konto bereits leer geräumt, weil er davon ausgeht, dass alle Zahlungen bereits über das Konto bei der neuen Bank laufen und hat diese die Informationen noch nicht, kann das ebenfalls Kosten verursachen.

"Will etwa eine Versicherung die Prämie wie gewohnt einziehen und funktioniert das mangels Kontodeckung nicht, "fallen Gebühren an", warnt Korntheurer. 6,50 Euro werden von der Bawag selbst für eine Nichtdurchführung verrechnet, hinzu kommt das, was die einziehende Stelle verrechnet.

Die Bawag fährt seit längerem einen harten Sparkurs. Hunderte Mitarbeiter wurden abgebaut, Filialen zugesperrt. Auch die Bawag PSK Invest wurde an Amunid verkauft. Die Bawag gehört den US-Fonds Cerberus und Golden Tree und soll bald wieder den Besitzer wechseln. In den ersten neun Monaten 2016 stieg der Nettogewinn um 32 Prozent auf 380 Mio. Euro. (Bettina Pfluger, 22.1.2017)

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    foto: apa/techt
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