Gutsherr und resche Hanni

22. Jänner 2017, 10:00
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Der Herausgeber nutzte seine Chance zu einem letzten kriecherischen Kommentar in dieser Sache und würzte ihn mit einem schönen Beispiel von Seelenwanderung

Wie hat Österreich es nur geschafft, diese Woche unerträglicher Spannung ohne Anzeichen größerer Schäden am Volkskörper zu überstehen? Und dann ist es doch passiert.

Ergreifender als alle Nobilitierungen wie schwarzer Kaiser oder schlicht Fürst war die bittere Reue, die den Beschmutzer des niederösterreichischen Nestes, den "Falter", befiel, der zum Ereignis titelte: Das haben wird nicht gewollt – Erwin Pröll tritt ab. Aber unbelehrbar schon wieder eine Majestätsbeleidigung nachschob: Wir wollten doch nur Transparenz! Dass weder "Profil" noch "News" vor dieser Woche von welthistorischer Bedeutung den großen Privatstifter auf ihren Titelblättern hatten, sondern einen vergleichsweise bedeutungslosen Donald, sagt viel über den Verfall der Magazinszene in Österreich aus.

Der letzte Landeskaiser ...

Aber dafür die anderen! So richtig setzte es Dienstag ein, als überall vier Landeshauptleute in steirischer Zwangsjacke zur Entgegennahme eines Ordens den passenden Hut schwenkten, was den "Krone"-Schreiber Claus Pándi in tiefe Nachdenklichkeit versinken ließ. Das Foto von den vier Landeshauptleuten Häupl, Pröll, Schützenhöfer und Pühringer mit Schladminger und Hut macht unsicher. Hat sich da ein Satiriker einen Scherz erlaubt?

Offensichtlich, denn nur einer aus dem Quartett sollte gleich darauf Weltgeschichte schreiben. Um dies deutlich zu machen, schoss die "Krone" am Mittwoch mit einer Seite 1 nach, die der Satire gerecht wurde. Erwin Pröll, noch nicht vom Vortag umgezogen, den vor der Steirerbrust gehaltenen Hut beschmunzelnd, als würde er eine Lebensentscheidung aus demselben ziehen. Und so war's! Der letzte Landeskaiser nimmt den Hut. Denn: "Man muss wissen, wann es Zeit ist ..."

... stimmt jedenfalls die "Krone" nachdenklich

Die Seiten 2 und 3 standen für alle, die es noch nicht begriffen hatten, im Zeichen des Ereignisses: Mit Pröll nimmt der letzte Landeskaiser den Hut. Kurz ließ das Blatt Hoffnung blitzen, als es um die Nachfolge ging: Es könnte Außenminister Sebastian Kurz vom Bauernbund als Landeshauptmann ins Spiel gebracht werden. Schade, dass daraus nichts geworden ist. Kein Wunder, dass ein anderer "Krone"-Kommentator zu dem Schluss kam: Der Rücktritt eines der mächtigsten Männer in der Volkspartei stimmt jedenfalls nachdenklich. Dabei bestätigte Pröll freiwillig: "Die Stiftung ist korrekt. Gesteuerter Journalismus richtet bei mir nichts aus." Den gibt es in der "Krone" ja nicht.

Auf Wahrheit geradezu neurotisch fixiert

Am selben Tag wusste "Österreich" bereits um das Geheimnis des Pröll-Abschieds. Der schwarze Kaiser tritt ab ... jetzt kommt die "resche Hanni". Der Herausgeber nutzte seine Chance zu einem letzten kriecherischen Kommentar in dieser Sache und würzte ihn mit einem schönen Beispiel von Seelenwanderung: Auf Erwin Pröll folgt in Wahrheit wohl Sebastian Kurz als neue Nr. 1 der Volkspartei. Und auf Wahrheit ist Wolfgang Fellner geradezu neurotisch fixiert.

Der "Kurier" kombinierte Pröll mit Häupl und ließ monarchische Gesinnung nur zart durchblicken: "Hanni" soll Zepter übernehmen. Demokratische dafür umso deutlicher: Pröll-Abgang als Brandbeschleuniger für Neuwahlen.

"Die Presse" wusste, was sie ihrem Ruf schuldig ist. Der Sonnenlandeshauptmann tritt ab, behauptete der Chefredakteur, ohne dafür eine astronomische Begründung zu liefern. Dafür ließ er ihn als vorletzten barocken Feudalherrscher gelten, ein absolutistischer Landesfürst durfte er auch noch sein. Und um alle feudalen Titel abzuspulen: Nach Gutsherrenart regierte er nicht nur sein Land und seine Landespartei, sondern auch die Bundespartei.

Das zähnefletschende Duo

Donnerstag stand die Bildberichterstattung überwiegend im Zeichen des zähnefletschenden Duos Gutsherr – "resche Hanni", das Wording im Zeichen der großen Fußstapfen. Mikl-Leitner tritt in Erwin Prölls "große Fußstapfen", so der "Kurier". Große Fußstapfen titelte die "Wiener Zeitung", nachdem sie schon am Vortag Das Ende einer Ära mit einem dämonisch ausgeleuchteten Porträt Prölls auf Seite 1 bekräftigt hatte.

Außer Rand und Band für ihren Liebling die "Krone". Schon in der Schlagzeile durfte er sich mit "Ich bin mit mir völlig im Reinen!" die Absolution erteilen, die Seiten 2 und 3 boten Hannis Tritt in Erwins Fußstapfen, 4 und 5 eine Modeschau mit Model Mikl-Leitner, und wer sich so weit durchgearbeitet hatte, wurde reich belohnt mit der Frage auf den Seiten 6 und 7: Haben Sie wie ein Fürst regiert, Herr Pröll?

Doch nicht er! Und der "Falter" hat es nicht gewollt. (Günter Traxler, 21.1.2017)

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  • Artikelbild
    foto: apa/helmut fohringer
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