Voestalpine-Chef Eder: Trump wird staatsmännischer werden

20. Jänner 2017, 14:05
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Österreichischer Stahlkonzern hält an Mexiko-Investition fest

Wien/Linz – Voestalpine-Chef Wolfgang Eder erwartet, dass der künftige US-Präsident Donald Trump in Zukunft wohl staatsmännischer auftreten wird, "davon gehe ich schon aus", wie er im aktuellen "trend" sagt.

Zur Ankündigung einer Einfuhrsteuer von 35 Prozent für deutsche Autobauer meinte Eder: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Aussage wirklich durchdacht war, denn dies würde zweifellos zu Retorsionsmaßnahmen mit entsprechender Auswirkung auf die US-Wirtschaft führen. Ich glaube, solange er nicht angelobt war, hat Trump bewusst überdeutliche Signale gesetzt." Die Wirtschaftspolitik werde ja auch nicht von Trump alleine gemacht.

Kalkulierbarer Weg erhofft

Eder hofft, das Trump nach seiner Angelobung einen "wirtschaftspolitisch kalkulierbareren" Weg gehen wird als im Vorfeld. Ein Antasten oder gar Auflösen des NAFTA-Vertrags etwa hätte nicht nur für Nordamerika, sondern auch für andere Regionen weitreichende Konsequenzen. Wenn alles "America first" sei, würden andere Länder nachziehen, wohl sogar aus Selbstschutz nachziehen müssen. Denn bei 35 Prozent Importzoll stünden auch viele andere Handelsverträge zur Disposition. "Wenn Boeing, Apple, Microsoft & Co. aber plötzlich vor internationalen Barrieren stehen, ist das kaum im Sinne der USA."

Die voestalpine entspreche mit ihrem im Herbst vergangenen Jahres eröffneten Roheisenwerk Corpus Christi und einer Reihe anderer US-Investitionen von in Summe mehr als 1 Mrd. Dollar "so ziemlich dem Idealbild Trumps. Insofern mache ich mir diesbezüglich wenig Sorgen."

An ihrer geplanten Investition in Mexiko von 20 bis 30 Mio. Dollar hält die Voest fest. Auf Basis des heutigen Wissenstandes werde nichts geändert. "Nicht zuletzt, weil die Investition auf den Großauftrag eines europäischen Autoherstellers beruht, der nur teilweise in die USA exportiert. Wir verfolgen die Entwicklung, sehen aber derzeit keinen Handlungsbedarf", so Eder im "trend".

Plan B

Die Voest hat für Mexiko laut den "Oberösterreichischen Nachrichten" (Freitagsausgabe) einen "Plan B": Falls der Kunde zur Überzeugung komme, seine Produktion in die USA zu verlegen, könne die mobile Halle kurzerhand auch dorthin verlegt werden. Priorität habe die Nähe zum Kunden.

Beim Werk im texanischen Corpus Christi sind die Kosten höher als die ursprünglich geplanten 550 Mio. Euro. Kolportiert wird in etwa eine Verdopplung auf rund 1 Mrd. Dollar. "Wieviel das Werk Christi tatsächlich kostet, wird im Mai abgerechnet und dann Aktionären und Öffentlichkeit bekannt gegeben, so voestalpine-Sprecher Peter Felsbach in den "OÖN". (APA, 20.1.2017)

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