Paul Mendelson: Befehl zu schweigen

23. Jänner 2017, 14:20
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Der Autor thematisiert auch in "Die Straße ins Dunkel" das schwierige Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika

Paul Mendelson, Chronist der Apartheid und der Zeit danach, schreibt über die Geschichte Südafrikas in Kriminalromanen: statt Daten Details aus dem Alltag, statt Statistiken Individualschicksale, statt moralischer Phrasendrescherei Helden, die sich so ehrlich wie möglich durchs Leben schlagen und dennoch nicht ohne Schuld bleiben.

1994: Die einen jubeln über das Ende der Apartheid, andere sind voll Hass und befürchten den Untergang des Landes. Nach einem Bombenanschlag geht die Polizei einem Hinweis nach. Rast zu einer Hütte, erschießt alle Bewohner und hat Unschuldige erwischt. Colonel Vaughn de Vries kommt zu spät, sieht das Massaker an der schwarzen Familie; ihm wird befohlen, darüber zu schweigen. Jahrzehnte später wird er mit dem Mord an einer weißen Millionärin befasst.

Mendelson ist trotz aller Drastik ein feinfühliger Chronist von Zwischentönen. Das immer noch schwierige Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen ist ein Leitmotiv seiner herausragenden Werke. (Ingeborg Sperl, Album, 23.1.2017)

  • Paul Mendelson, "Die Straße ins Dunkel". Deutsch: Jürgen Bürger. € 17,50 / 395 Seiten. Rowohlt, Reinbek/Hamburg 2016
    cover: rowohlt

    Paul Mendelson, "Die Straße ins Dunkel". Deutsch: Jürgen Bürger. € 17,50 / 395 Seiten. Rowohlt, Reinbek/Hamburg 2016

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