Vor Ausschreibung für Digitalradio: DAB+ österreichweit ab 2018

    20. Jänner 2017, 10:12
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    Ausschreibung in zwei Wochen – Keine ORF-Programme auf DAB+ – Regelbetrieb 2018 erwartet

    Wien – Die Medienbehörde KommAustria hat am Freitag eine "Auswahlgrundsätzeverordnung" zu einer Ausschreibung von Zulassungen für Digitalradio (DAB+) in Österreich veröffentlicht. Die Verordnung soll Kriterien und Auflagen der Ausschreibung für die technische Plattform für nationales digitales Radio vorab präzisieren, die tatsächliche Ausschreibung soll in etwa zwei Wochen veröffentlicht werden. Die Behörde rechnet nach Ausschreibung und Zulassung 2018 mit einem Regelbetrieb von DAB+ in Österreich.

    Ohne ORF, Kronehit in Wien

    Für den Empfang von DAB+ braucht es neue Empfangsgeräte. Seit Frühjahr 2015 läuft ein Testbetrieb für den Digitalradiostandard in Wien – ohne die großen Ukw-Player ORF und Kronehit. Kronehit-Chef Ernst Swoboda begründete seinen Ausstieg vom Testbetrieb kurz vor Start mit nach seinen Angaben geplanter DAB+-Vermarktung, die sich gegen Ukw wandte. Hintergrund ist die starke, über Jahre teuer aufgebaute Marktposition von Kronehit als einziger nationaler Privatsender mit einigem Erfolg bei jüngeren Zielgruppen.

    ORF verweigert sich auch bundesweit

    ORF-General Alexander Wrabetz hat bereits angekündigt, dass der ORF seine Sender auch auf der nationalen DAB+-Plattform nicht ausstrahlen werde. Hintergrund: Der ORF wollte DAB+ nützen, um ein zweites Ö3-Radio für eine jüngere Zielgruppe zu starten – das vor allem Kronehit angegriffen hätte. Ein weiteres Radioprogramm ist aber im ORF-Gesetz nicht vorgesehen; höchstens sechs Monate Testlauf wären möglich gewesen.

    Wrabetz schloss aber nicht aus, dass sich die ORF-Sendertochter ORS um die technische Plattform für DAB+ bewirbt.

    Grundsätze für Ausschreibung

    Die Auswahlgrundsätzeverordnung erläutert, mit welchen Unterlagen Bewerber ihre finanziellen Voraussetzungen für den Aufbau und Betrieb eines DAB+ Sendernetzes glaubhaft machen müssen. Sie präzisiert auch die Auswahlkriterien.

    Ein Jahr Zeit für 50 Prozent Versorgung

    Die Behörde verordnet, wie schnell das Sendernetz stehen muss: Bewerber um eine bundesweite Zulassung müssen spätestens ein Jahr nach Rechtskraft der Zulassung mindestens 50 Prozent der Bevölkerung mit Radioprogrammen auf Basis von DAB+ versorgen, nach drei Jahren sollten 75 Prozent der Bevölkerung versorgt sein.

    15 nationale Programme, regionale Plattformen

    Vor der Ausschreibung erhob die KommAustria 2016 das Interesse an nationalem DAB+: Ergebnis: ein bundesweiter DAB+ Multiplex wäre nach den Bekundungen mit rund 15 Programmen ausgelastet. Zudem wurde Interesse an mehreren lokalen und regionalen Multiplexen bekundet.

    Norwegen schaltet Ukw ab

    Norwegen hat unterdessen – wie berichtet – in diesen Tagen begonnen, nationale und überregionale Ukw-Frequenzen abzudrehen; diese Sender funken künftig alleine auf DAB. Lokale Stationen senden in Norwegen vorerst weiter auf Ukw. (red, 20.1.2017)

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