Neue Labors: Med-Uni Innsbruck erforscht Krebsimmuntherapie

20. Jänner 2017, 10:07
posten

In zwei neuen Forschungseinrichtungen kooperieren Wissenschaftler mit Unternehmen. Erforscht werden Krebsimmuntherapie und Mukosale Immunologie

Trotz großer klinischer Therapieerfolge bei Haut- und Lungenkrebs durch monoklonale Antikörper, sogenannte "Immun-Checkpoint-Inhibitoren", stecke diese Form der Therapie noch in den Kinderschuhen. Zwei neue Christian Doppler-(CD)Labors, eines für Krebsimmuntherapie und eines für Mukosale Immunologie (Mukosa – Schleimhaut, Darmschleimhaut, Anm.), sind nun an der Medizinischen Universität Innsbruck eröffnet worden. Die nach dem österreichischen Wissenschaftler benannten Forschungsinstitute, die an Österreichischen Hochschulen seit dem Jahr 2000 gegründet werden, sollen eine Verbindung zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung herstellen.

Gottfried Baier, Leiter des CD-Labors für Krebsimmuntherapie, habe dabei den "österreichischen Weg", der sich auf Immun-Checkpoints im Inneren von Zellen fokussiere, begründet, so die MedUni. Im Zentrum seines CD-Labors, in dem er mit dem japanischen Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo kooperiert, steht ein Transkriptionsfaktor (NR2F6), ein innovatives Zielmolekül zur Bekämpfung des Primärtumors sowie dessen Metastasen.

NR2F6 sei ein zentraler Immunregulator im Tumorgewebe, der von den Krebszellen genutzt werde, um ihrer Zerstörung durch das Immunsystem zu entgehen. Er besitze aber eine biologische Zielstruktur, die direkt von niedermolekularen Medikamenten pharmakologisch beeinflussbar sei, berichtete Baier. Dies biete die Chance eines von Krankenkassen bezahlbaren Therapieansatzes, der auch weit fortgeschrittene Krebserkrankungen über lange Zeit und bei guter Lebensqualität beherrschbar mache.

Entzündungen der Darmschleimhaut

Vor dem Hintergrund weltweit zunehmender chronisch entzündlicher Darmerkrankungen ist das Ziel des zweiten, von Alexander Moschen geleiteten CD-Labors, die biologische Rolle des Proteins IFIH1 bei Entzündungsvorgängen der Darmschleimhaut aufzuklären. IFIH1 sei erst kürzlich als Risikogen für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa identifiziert worden. Das Labor kooperiert mit dem US-Pharmaunternehmen AbbVie.

Mit den beiden neuen CD-Labors gibt es an der Medizinischen Universität Innsbruck nun insgesamt vier derartige Forschungseinrichtungen, in denen Unternehmen mit Wissenschaftern kooperieren. CD-Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Wichtigster öffentlicher Fördergeber der Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG) ist das Wirtschaftsministerium. Die Labors werden mit 2,2 Millionen Euro bzw. 800.000 Euro, die Hälfte davon jeweils von der öffentlichen Hand, gefördert.

Mit Jahresbeginn hat eine neue Funktionsperiode des CDG-Senats begonnen, der die Qualität der Forschung an CD-Laboratorien garantieren soll. Als neuer Vorsitzender des Gremiums wurde Hans Irschik, Professor für Technische Mechanik an der Universität Linz bestellt. Den Josef-Ressel-Senat, der die Qualität der Forschung in den Josef Ressel-Zentren an Fachhochschulen (FH) sicherstellen soll, leitet Frederic Fredersdorf von der Fachhochschule Vorarlberg (FH). (APA, 20.1.2017)

  • In Innsbruck werden zwei neue Forschungslabors eingerichtet.
    foto: med-uni innsbruck

    In Innsbruck werden zwei neue Forschungslabors eingerichtet.

    Share if you care.