Verdacht: Nintendo verkauft "illegale Kopien" von "Super Mario Bros" an seine Kunden

    20. Jänner 2017, 10:55
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    Nintendo in Erklärungsnot bezüglich emultierter Games

    Nintendos Standpunkt zu Software-Emulatoren ist eindeutig. Wie in den Konzernrichtlinien nachzulesen ist, betrachtet man die Bereitstellung von Fremd-Emulatoren, die das Abspielen Nintendos alter Games auf modernen PCs ermöglichen, als wirtschaftliches Übel. "Die Einführung von Emulatoren zum Spielen 'illegal kopierter' Nintendo-Software, stellt die bislang größte Bedrohung für intellektuelle Eigentumsrechte von Videospielentwicklern dar." Für Nintendo fällt die Anwendung nicht autorisierter Emulatoren für nicht autorisierte Software klar unter den Begriff der Piraterie.

    Umso erstaunlicher mutete eine Entdeckung des Entwicklers Frank Cifaldi an. Wie er im Frühling 2016 in einem Vortrag auf der Game Developers Conference schilderte, scheint Nintendo sich beim Verkauf seiner eigenen alten Spiele über den hauseigenen Emulator Virtual Console selbst auf die Arbeit so genannter Softwarepiraten zu stützen.

    gdc
    GDC-Talk von Frank Cifaldi

    Digitaler Fingerabdruck

    Cifaldi entdeckte in der über Virtual Console für Wii und neuere Konsolen verkauften Version des 1980er-Hits "Super Mario Bros." für die Emulation entscheidende Codezeilen, die exakt mit jenen übereinstimmen, die sich in dem Speicherabbild (ROM) der "Super Mario Bros."-Cartridge befinden, das in den 1990ern vom Entwickler Marat Fayzullin erstellt wurde.

    Der Knackpunkt daran: Sollte Nintendo nicht exakt jene NES-Cartridge von "Super Mario Bros." und exakt den gleichen Ausleseprozess verwendet haben wie Fayzullin, dann dürfte die Übereinstimmung nicht möglich sein.

    Überprüfung

    Um das zu überprüfen, machte sich nun auch die Branchenseite Eurogamer daran, die Virtual-Console-Version von "Super Mario Bros." für Wii mit den im Internet verbreiteten ROMs zu vergleichen, die Nintendo als Bedrohung für das eigene Geschäft betrachtet.

    Dabei entscheidend ist der sogenannte .NES-Header, der damals von Fayzullin beim Auslesen der Original-Cartridge für dessen iNES-Emulator erstellt wurde. Dieser Header wird benötigt, um Emulatoren den notwendigen Kontext zu geben, um ein Hardware-Setup nachzubilden, das sich im Detail bei den einzelnen Cartridges unterscheidet.

    eurogamer
    Beitrag von Eurogamer

    Übereinstimmung

    Eurogamer zufolge sei das Ergebnis eindeutig: Nintendos "Super Mario Bros."-ROM stimmt mit jenen überein, die man im Internet als Download findet. Daraufhin kontaktierte man Fayzullin persönlich, um sich den Fund bestätigen zu lassen.

    "Es gibt kleine Unterschiede zwischen den ROM-Speicherabbildern – abhängig von der Cartridge-Version und wie es ausgelesen wurde", erläutert Fayzullin. "Ich habe den ROM-Inhalt der Wii-Datei, die (Eurogamer) mir geschickt hat, ausgelesen und tatsächlich stimmt er mit jenen .NES-Dateien überein, die man online findet."

    Nintendo dementiert und schweigt

    Der Verdacht liegt also nahe, dass sich Nintendo bei der Arbeit der achso geschmähten Anbieter von unautorisierten Emulatoren bedient hat und diese ROMs an seine Kunden weiterverkauft. Dass Nintendo damit gegen irgendwelche Gesetze verstößt, ist aber fraglich, denn letztendlich ist Nintendo Eigentümer des Quellmaterials. Die an den Tag gelegte Doppelmoral wäre hingegen offensichtlich.

    In einer Stellungnahme gegenüber Eurogamer dementierte Nintendo die Behauptungen, man habe die über Virtual Console angebotenen ROMs aus dem Internet heruntergeladen. Darauf, wie es zu den Übereinstimmungen kommen kann, wollte der Konzern allerdings nicht eingehen. (zw, 20.1.2017)

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      foto: gdc
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      foto: nintendo
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