Cannabidiol: Schmerzlindernd ohne Nebenwirkungen

20. Jänner 2017, 09:39
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Cannabinoide haben einen wissenschaftlich belegten schmerzlindernden Effekt. Ihr Einsatz für medizinische Zwecke ist international umstritten

Immer mehr pharmazeutische Präparate aus Hanf erobern sich einen Platz auch in der Medizin. Zumeist handelt es sich bei den Wirkstoffen um Tetrahydrocannabinol (THC). Doch mit Cannabidiol (CBD) gibt es noch eine weitere Substanz aus weiblichen Hanfpflanzen mit positiven Effekten in der Schmerztherapie, meint der Kärntner Spezialist Rudolf Likar aus Anlass der Österreichischen Schmerzwochen.

Mit den verschiedenen Cannabis-Inhaltsstoffen hat sich die Wissenschaft schon seit langem beschäftigt. Bei den medizinischen Anwendungen im Vordergrund stand zunächst die bekannteste Substanz, das Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), das auch die psychotropen Eigenschaften von Cannabis vermittelt. Doch die Pflanze Cannabis sativa L. hat noch mehr zu bieten. Bereits 1940 wurde der Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) identifiziert. "Bei CBD handelt es sich um eine nicht psychotrope Substanz. Sie unterliegt keiner Suchtgiftregelung. Im Körper wird es auch nicht zu THC umgewandelt", so Likar, Generalsekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) und Leiter der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Klinikum Klagenfurt.

Beschrieben worden sind für Cannabidiol unter anderem krampflösende, angsthemmende und Übelkeit sowie Entzündungen dämpfende Effekte. Mittlerweile ist der Wirkstoff als hoch gereinigte Substanz aus Industrie-Hanf verfügbar. Auch ein Produkt mit einer Mischung aus THC und CBD gibt es. Likar hat CBD als Zusatzmedikation bei mehreren Patienten verwendet, bei denen schwere Schmerzsymptome infolge von Krebserkrankungen, Fibromyalgie oder auch aus anderen Ursachen auch unter Verwendung von Opioiden und anderen Medikamenten nicht ausreichend unter Kontrolle gebracht werden konnten.

Gute Ergebnisse

Jedenfalls stellten sich laut den Beobachtungen des Schmerzspezialisten bei mehreren Patienten durch die zusätzliche Gabe von CBD gute Behandlungsergebnisse ein. So konnte bei den meisten Behandelten die Opioid-Dosis bzw. der Gebrauch noch weiterer Analgetika zumindest deutlich reduziert werden. "Insgesamt war CBD sehr gut verträglich. Weniger gut verträgliche Analgetika konnten abgesetzt oder reduziert werden. Man kann es auch gut mit stark wirksamen Opioiden kombinieren, ohne deren Nebenwirkungen zu verstärken", betonte der Experte. Nebenwirkungen, die durch den zeitlichen Zusammenhang mit der Verwendung von Cannabidiol mit diesem in Verbindung zu bringen gewesen wären, seien nicht aufgetreten. Allerdings muss CBD mindestens in einer 20-fach höheren Dosis als THC verabreicht werden. Die übliche Dosis liegt bei zwei Mal 200 Milligramm pro Tag. Aus Tierexperimenten gibt es auch Hinweise auf die Einsetzbarkeit von Cannabidiol bei entzündlichen Gelenkserkrankungen (Arthritis).

Ob Cannabis oder Marihuana für medizinische Zwecke erhältlich sein sollen, ist international umstritten. "Cannabinoide haben einen in wissenschaftlichen Studien belegten schmerzlindernden Effekt bei Menschen, die an Krebserkrankungen leiden. Doch wissenschaftlich belegt ist das nur mit pharmazeutisch hergestellten Cannabinoid-Medikamenten", sagt dazu Hans-Georg Kress, Leiter der Abteilung für spezielle Anästhesie und Schmerztherapie (AKH/MedUni Wien), Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft und Past President der Europäischen Schmerzförderation (EFIC).

THC für Krebspatienten

"Es macht deshalb keinen Sinn, Cannabis oder Marihuana für medizinische Zwecke einfach freizugeben. Hier fehlt der Nachweis der Überlegenheit gegenüber den in Studien getesteten Cannabinoiden. Und wir sollten in unserem Gesundheitswesen, das ja sonst auch auf die Kosten schaut, nur Medikamente verwenden und zahlen, für die eine Wirksamkeit gegeben ist", so Kress in einer Aussendung.

Ein Anwendungsgebiet für Cannabinoide wie Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) ist die Behandlung von Krebspatienten, die trotz starker Opioide noch an Schmerzuständen leiden. Das Problem ist groß: Jährlich erkranken weltweit rund 14 Millionen Menschen an Krebs, 32,6 Millionen Patienten leben mit dieser Diagnose. Zwei von drei Betroffenen klagen auch über Schmerzen, ein Drittel von ihnen leidet unter moderaten bis schweren Symptomen. (APA, 20.1.2017)

  • CBD kann auch gut mit stark wirksamen Opioiden kombiniert werden, ohne deren Nebenwirkungen zu verstärken.
    foto: dpa-zentralbild/patrick pleul

    CBD kann auch gut mit stark wirksamen Opioiden kombiniert werden, ohne deren Nebenwirkungen zu verstärken.

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