Starinvestor Soros: Trump ist "ein Möchtegerndiktator"

20. Jänner 2017, 07:47
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Der US-Investor warnte in Davos vor Handelskriegen und Unsicherheit. Theresa May werde sich in Großbritannien nicht lange halte, prophezeit Soros

George Soros ist ein Mann der klaren Worte. "Er ist ein Möchtegerndiktator. Ich sage 'Möchtegern', weil er es nicht schaffen wird", sagte der Investor bei seinem schon traditionellen Abendessen mit Journalisten in Davos. Die US-Verfassung und die nationalen Institutionen, vor allem das US-Parlament, seien zu stark und würden Trump hemmen. "Er steht für das Gegenteil der offenen Gesellschaft." Sein Ideal sei eine "Diktatur oder ein Mafiastaat".

Trump könne sowohl innen- wie außenpolitisch viel Unheil anrichten. Seine engen Beziehungen zu Russland seien nicht nur für die USA bedrohlich, es könne auch einen Handelskrieg mit China geben. All das erzeuge Unsicherheit. "Und Unsicherheit ist der Feind langfristiger Investitionen." Auf die Frage, wie Wirtschaftsvertreter mit Trump umgehen sollen, antwortete Soros: "Ich werde mich so weit wie möglich von ihm fernhalten."

Wenn Meldungen des "Wall Street Journal" stimmen, hat Trumps Wahlsieg den Multimilliardär viel Geld gekostet – angeblich eine Milliarde Dollar. Denn Soros soll darauf gesetzt haben, dass die Finanzmärkte nach einem Sieg des Immobilientycoons einbrechen – das Gegenteil ist eingetreten. Warum? Weil für viele "ein Traum wahr geworden ist", meint Soros: "weniger Regulierung und eine Steuerreform".

Steigende Inflation in Großbritannien

Vergleichsweise mild fallen diesmal seine Urteile über Europa aus: Die EU sei zu kompliziert geworden und drohe auseinanderzudriften. Das vergangene Jahr sei eine Katastrophe gewesen wegen der politischen Entwicklung in Italien und des Brexit. Die Abwertung des Pfund und die damit einhergehende Inflation werde den Briten schaden: "Inflation wird die treibende Kraft sein, dass sich ihr Lebensstandard verringern wird", sagt Soros, der damit berühmt geworden ist, dass er in den 1990er-Jahren auf den Verfall des Pfunds gewettet hatte. Die Verhandlungen mit der EU würden schwierig und langwierig. Seine Einschätzung zur britischen Premierministerin Theresa May: "Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich an der Macht halten wird."

Soros warnte auch noch vor Russland, die mit ihrer Einmischung dazu beigetragen hätten, dass Hillary Clinton die Wahl verloren habe. Das könne auch in Europa geschehen.

Der Multimilliardär ist auch als Philantrop aktiv und unterstützt insbesondere in Osteuropa mit viel Geld Initiativen, die für eine offene Gesellschaft kämpfen. In Davos trat er auch bei einer vom STANDARD moderierten Diskussion auf, bei der über Initiativen für Flüchtlinge diskutiert wurde – unter anderen mit der niederländischen Entwicklungshilfeministerin Lilianne Ploumen und der ehemaligen dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Soros ging auch auf die Situation in seinem Geburtsland Ungarn ein, wo die Regierung gegen Organisationen und Stiftungen wie seine Open Society Foundation vorgeht. Das sei ein Angriff auf europäische Werte und den Rechtsstaat und "völlig inakzeptabel". (Alexandra Föderl-Schmid, 20.1.2017)

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