Chinas Wachstum fällt auf niedrigsten Stand seit 1990

20. Jänner 2017, 07:14
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Ökonomen werten die jüngsten Daten als Zeichen der Stabilisierung

Peking – Chinas Wirtschaft ist im vierten Quartal des abgelaufenen Jahres um 6,8 Prozent gewachsen. Das berichtete das Pekinger Statistikamt am Freitag. Im Gesamtjahr 2016 lag das Wachstum demnach bei 6,7 Prozent. Obwohl die Wirtschaft damit so langsam wuchs wie seit 1990 nicht mehr, werteten Ökonomen die jüngsten Daten als Zeichen der Stabilisierung für die zweitgrößte Volkswirtschaft.

Die Regierung hatte beim Wachstum eine Spanne von 6,5 bis 7 Prozent als Ziel vorgegeben. Sie legt die Latte Insidern zufolge für 2017 mit einem gewünschten BIP-Anstieg von rund 6,5 Prozent niedriger.

Peking ist dabei, das Wachstumsmodell des Landes umzubauen: Statt Billigproduzent für den Rest der Welt zu sein, sollen die heimischen Unternehmen innovativer werden und der Binnenkonsum gestärkt werden. Dafür nimmt sie weniger Wachstum in Kauf. Zugleich stemmt sie sich gegen eine Überhitzung des Immobilienmarktes.

Dank der höheren Staatsausgaben hat sich die Wirtschaft in den vergangenen Monaten stabilisiert. Allerdings schwächeln die privaten Investitionen weiter. So stiegen die Anlageinvestitionen im vergangenen Jahr nur noch um 8,1 Prozent und damit so langsam wie seit 1999 nicht mehr. Experten hatten mit 8,3 Prozent gerechnet.

Auch die Industrieproduktion lag zuletzt unter den Erwartungen: Sie stieg im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um sechs Prozent. Experten hatten mit 6,1 Prozent gerechnet.

Erneut mahnten Experten, dass das derzeitige Wachstumsmodell nicht nachhaltig sei. Chinas Wachstum sei noch immer zu sehr von Stimulus-Maßnahmen der Regierung abhängig, hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) bereits in einem Bericht am Montag gewarnt. Der Wirtschaft drohe eine "starke Abschwächung", wenn Kredite weiter rasant wachsen und die Regierung nicht entschlossener gegen hohe Schulden der Unternehmen vorgehe.

"Druck und Probleme lasten sowohl von innen als von außen auf der Wirtschaft"?, sagte der Pekinger Wirtschaftsprofessor Huang Weiping. Ein schwacher Außenhandel, die hohe Verschuldung sowie drohende Handelsstreitigkeiten mit den USA und Protektionismus unter dem neuen Präsidenten Donald Trump gehören so zu den wesentlichen Risiken für die zweitgrößte Volkswirtschaft in diesem Jahr. (APA, 20.1.2017)

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