Türkische Medienaufsicht verurteilt Satirelied über Istanbul-Anschlag

19. Jänner 2017, 18:19
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Chef der Medienaufsicht beschwerte sich bei französischem Kollegen über Lied des Sängers Frederic Fromet

Istanbul/Paris – Ein Satire-Beitrag im französischen Radio über den Silvester-Anschlag in einem Istanbuler Nachtklub sorgt für Empörung in der Türkei. Der Chef der Medienaufsicht (RTÜK) beschwerte sich bei seinem französischen Kollegen über das Lied des Sängers Frederic Fromet, wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag berichtete.

"39, Tote, na und? Das ist weit weg und es ist doch ganz nett, sein Leben im Konfettiregen zu beenden", sang Fromet am 6. Jänner im Radiosender France Inter über die Melodie des Partyliedes "Macarena".

RTÜK-Chef Ilhan Yerlikaya bezeichnete das Lied in seinem Schreiben an den Präsidenten der französischen Medienaufsicht CSA, Olivier Schrameck, als "verstörend". Auch die Franzosen wären empört gewesen, falls ausländische Medien ein solches Lied über die Pariser Anschläge vom 13. November veröffentlicht hätten, schrieb Yerlikaya.

Mit "schwarzem Humor" zu mehr Mitgefühl

Fromet äußerte auf seiner Facebook-Seite sein Bedauern darüber, dass seine "brüderliche Botschaft" von einigen nicht verstanden werde. Er habe die Gleichgültigkeit vieler Menschen über Anschläge in der Ferne beklagen wollen. Fromet bekundete seine "vollständige Solidarität" mit den Opfern von Attentaten, unabhängig davon, wo diese verübt würden.

Zuvor hatte bereits die Chefin von France Inter, Laurence Bloch, versucht, die Wogen zu glätten. Auf der Website des Senders erklärte sie, Fromet habe mit "schwarzem Humor" zu mehr Solidarität und Mitgefühl aufrufen wollen. Der Liedermacher hatte in der Vergangenheit bereits ähnliche Satire-Beiträge über die Anschläge in Paris im Jänner und November 2015 veröffentlicht. (APA, AFP, 19.1.2017)

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