Iran baut Investitionen in Syrien aus

19. Jänner 2017, 17:44
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Mit fünf Wirtschaftsabkommen festigt Teheran seine ökonomische Präsenz in Syrien

Damaskus/Teheran/Kairo – Schon vor dem Ausbruch des Aufstandes gegen Präsident Bashar al-Assad im Frühjahr 2011 hatte sich Teheran über Jahre politischen Einfluss in Syrien mit wirtschaftlichem Engagement erkauft. Der Iran hatte Milliarden in strategisch wichtige Branchen wie Zement, Autobau und Energie investiert. Diese Strategie wurde während des Krieges konsequent weitergeführt.

Diese Woche wurden in Teheran fünf weitere Wirtschaftsabkommen zwischen den beiden Ländern geschlossen. Sie betreffen Landwirtschaft, Industrie, Erdöl und Telekommunikation. Dabei erhält Teheran große Flächen an landwirtschaftlichem Boden, eine Phosphatmine in der Nähe von Palmyra, wird Lagerstätten und Häfen für Öl und Gas errichten, und iranische Telekommunikationsfirmen können ein drittes Mobilfunknetz in Syrien installieren. Der iranische Vizepräsident Eshaq Jahangiri hat der syrischen Tageszeitung Al-Watan zufolge angekündigt, dass ein neuer Kreditrahmen von 3,5 Milliarden Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro) eröffnet worden sei, mit dem Firmen in Syrien investieren und Güter kaufen können.

Das ist bereits das vierte Darlehen seit Ausbruch des Krieges, das Damaskus gewährt wird, damit es Nahrungsmittel und Erdölprodukte beschaffen und die Staatskasse vor dem Bankrott bewahren kann.

Der Iran dürfte diese Milliarden allerdings nicht geschenkt haben, sondern in irgendeiner Form durch staatlichen Besitz entschädigt werden. Mit der umfassenden wirtschaftlichen Präsenz stellt Teheran zudem sicher, dass für ihn ein großes Stück des Kuchens beim Wiederaufbau abfallen wird. Erste solche Verträge sind bereits geschlossen.

Der Krieg hat bisher nicht nur unermessliches Leid und 400.000 Tote gefordert, die reale Wirtschaftsleistung ist nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds stark geschrumpft. Betrug das Bruttoinlandsprodukt 2010 60 Milliarden Dollar, waren es laut IWF-Schätzungen, die aber auf löchrigen Daten beruhen, gerade nur 14 Milliarden. Die Erdölförderung ist um 98 Prozent, der Tourismus völlig eingebrochen. Es dürfte mindestens 20 Jahre dauern, bis das Vorkriegsniveau der Wirtschaftsleistung wieder erreicht ist.

Gemeinsamer Weg

In Teheran haben diese Woche beide Seiten unterstrichen, dass sie einen gemeinsamen politischen Weg einschlagen und die Wirtschaftsbeziehungen weiter verbessern wollen, die auch Infrastruktur und strategische Bereiche umfassen sollen. (Astrid Frefel, 20.1.2017)

  • Irans Vizepräsident kündigte den neuen Kreditrahmen an.
    foto: apa/afp/atta kenare

    Irans Vizepräsident kündigte den neuen Kreditrahmen an.

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