Deutscher Leopard-Panzer versagt im Syrien-Einsatz

20. Jänner 2017, 08:00
564 Postings

IS-Kämpfer haben mehrere Panzer der türkischen Armee zerstört

Der Leopard-2-Panzer des deutschen Herstellers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) ist ein Exportschlager, rund 3.000 Stück wurden bisher gebaut. Neben den 350 Fahrzeugen, die die Bundeswehr noch betreibt, ist der Panzer in zwölf weiteren Staaten im Einsatz – auch das österreichische Bundesheer erwarb 1996 insgesamt 114 Stück.

Seit 2007 ein kanadischer Leopard 2 in Afghanistan auf eine besonders große Sprengfalle der Taliban fuhr und zerstört wurde, die Besatzung die Explosion aber überlebte, wird als Verkaufsargument gern die "Unzerstörbarkeit" des Panzers angeführt.

Doch seit es im Dezember Kämpfern der Jihadistengruppe "Islamischer Staat" im syrischen al-Bab gelungen ist, bis zu zehn Leopard-Panzer der türkischen Armee auszuschalten, wachsen die Zweifel an diesem Mythos.

Die IS-Jihadisten verwendeten laut der Tageszeitung "Die Welt" und dem US-Fachmagazin "Stripes" russische Kornet- und amerikanische BGM-71-TOW-Raketen und schafften es, die schwächer gepanzerten Seiten- und Rückwände des Leopard-Panzers zu treffen. Hersteller KMW wollte sich der "Welt" gegenüber nicht dazu äußern.

Als 1963 die Planung für den Leopard-Panzer begann, war das Einsatzgebiet ziemlich genau definiert: Die erwartete Invasion von Truppen des Warschauer Pakts in der sogenannten Fulda-Lücke, wo das Gelände für einen massiven Panzerangriff besonders geeignet ist, sollte aufgehalten werden.

Im modernen Häuserkampf kommt die Bedrohung hingegen nicht immer von vorne, wo der Leopard besonders dick gepanzert ist.

Panzerung muss dazugekauft werden

Auf eine moderne Reaktivpanzerung, die Schutz vor Panzerabwehrraketen bietet, verzichteten viele Leopard-2-Anwender bisher, weil deren Gewicht die Manövrierfähigkeit einschränkt. Einzig Singapur leistete sich für seine bis zu 182 (die genaue Stückzahl ist vom Bundestag als "VS-Vertraulich" eingestuft) Panzer eine moderne AMAP-Zusatzpanzerung des deutschen Herstellers IDB Eisenroth.

foto: apa/epa/wallace woon
Singapurs aufgerüstete "Leoparden" bei einer Militärparade im August 2015.
foto: apa/epa/wallace woon
Detailansicht. Deutlich zu erkennen: die Schutzgitter, die Hohlladungen abfangen sollen.

Den 77 älteren Leopard-1-Panzern der türkischen Armee droht übrigens nicht das gleiche Schicksal wie ihren Nachfolgemodellen: Als im Jahr 1982 ihr Export genehmigt wurde, bestand Deutschland auf der Einschränkung, dass diese nur im kollektiven Nato-Verteidigungsfall eingesetzt werden dürfen.

Bei späteren Waffengeschäften gab sich die deutsche Regierung damit zufrieden, dass ein eventueller Weiterverkauf an Drittstaaten nur mit ihrer Zustimmung erfolgen darf. (bed, 20.1.2017)

  • Kanadischer Leopard-2-Panzer im Afghanistan-Einsatz.
    foto: reuters/nikola solic

    Kanadischer Leopard-2-Panzer im Afghanistan-Einsatz.

Share if you care.