"Hl. Hieronymus": Fälschung gab Gastspiel in Wien

    19. Jänner 2017, 16:43
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    Weitere Altmeister-Fälschung anhand synthetischer Pigmente überführt

    New York / Wien – Es geht um Werke Alter Meister, die aus französischem Privatbesitz und über internationale Mittelsmänner auf den Markt gelangten, an deren Echtheit 2014 erste Zweifel aufkamen. Trotzdem mehrere international anerkannte Experten den Kunstwerken die Echtheit bescheinigt hatten, womit der Wert der bis dahin in der Fachwelt allesamt unbekannten Arbeiten bis in Millionenhöhen geklettert war.

    Ein Ende der Ermittlungen der französischen Behörden ist derzeit nicht absehbar. Theoretisch könnte sich die Causa zum größten Fälschungsskandal für Gemälde Alter Meister in der Geschichte des Kunstmarktes entpuppen.

    Praktisch erhärtete sich der Verdacht erst in zwei Fällen: bei einem vermeintlich von Frans Hals (1580/85-1666) gemalten Porträt und jetzt bei einer Darstellung des hl. Hieronymus, die angeblich von Girolamo Francesco Maria Mazzola (1503-1540), genannt Parmigianino, stammt. Offen ist der Status zur beschlagnahmten Cranach-Venus aus der Sammlung des Fürsten Liechtenstein.

    Drei von insgesamt 18 Arbeiten, die laut Ermittlern ursprünglich Giulano Ruffini gehörten, der in der Vergangenheit wahlweise als Privatsammler oder Hobbyhändler auftrat. Er habe, tat er über Medien kund, diese Bilder von einer Freundin geerbt, die 1980 verstorben sei. Und er selbst habe sie ja nie als das verkauft, wozu sie von Experten später geadelt wurden. Seine Rolle wirft mehr Fragen auf, als sich derzeit Antworten finden. Sein monetärer Verdienst war eher überschaubar geblieben, das große Geld machten andere, sowohl Zwischenhändler als auch renommierte Kunsthändler aus London.

    Im Falle des Parmigianino profitierte ein gewisser Lionel De Saint Donat-Pourrieres, gegen den Sotheby's am Dienstag in New York Klage einbrachte. Die Vorgeschichte: Im Jänner 2012 ließ er das auf Holz gemalte Bild bei Sotheby's versteigern. Abzüglich der Provision des Auktionshauses wurden ihm 672.000 Dollar ausbezahlt. Als vergangenes Jahr bekannt wurde, dass auch dieses Bild einst Ruffini gehörte, informierte man den Käufer und bot eine naturwissenschaftliche Untersuchung an.

    Die Pigmentanalyse ergab, dass eine Entstehung im 16. Jahrhundert ausgeschlossen werden kann: 21 an explizit nicht von Restauratoren zuvor retuschierten Stellen entnommene Proben wiesen das synthetische Pigment Phthalocyanin auf. Die kommerzielle Produktion des meist Blau und Grün beigemischten Pigments begann jedoch erst in den 1930er-Jahren.

    Sotheby's refundierte dem Käufer den bezahlten Betrag und forderte den an den Verkäufer ausbezahlten zurück. Donat-Pourrieres, ein in Luxemburg angesiedelter Rechtsanwalt und Kunsthistoriker, dürfte sich geweigert haben, wiewohl derlei in den Einbringerverträgen vorgesehen ist.

    Der Hl. Hieronymus gastierte übrigens 2003 im Zuge der Parmigianino-Ausstellung im Kunsthistorischen Museum in Wien: als authentisches Werk des Manieristen, dessen Entdeckung Kunsthistoriker 1999 gefeiert hatten. Eine Meinung, der sich jedoch nicht alle Experten anschließen wollten, die andere Künstler des 16. Jahrhunderts ins Treffen führten. Sotheby's entschied sich 2012 für einen Kompromiss und schrieb es dem Umkreis Parmigianinos zu. Auch das ein Irrtum, wie man nun weiß. (Olga Kronsteiner, 19.1.2017)

    • "Hl. Hieronymus" – laut Sotheby's ein Werk des 20. Jahrhunderts.
      foto: sotheby's

      "Hl. Hieronymus" – laut Sotheby's ein Werk des 20. Jahrhunderts.


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