"Feinkostladen" Österreich: Exportplus trotz gesättigter Märkte

19. Jänner 2017, 17:04
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Trotz schwieriger Rahmenbedingungen sind die Agrarausfuhren im Vorjahr auf über zehn Milliarden Euro gestiegen

Wetterkapriolen, niedrige Preise aufgrund des EU-weit übergroßen Angebots vor allem bei Milch und Schweinefleisch und außerdem internationale Konflikte wie das Russland-Embargo auf Lebensmittel aus der EU: Es gibt viele Gründe, weshalb es den Lebensmittelherstellern exportseitig eigentlich schlecht gehen müsste. Doch nichts dergleichen ist passiert, im Gegenteil. Der Wert der Exporte stieg 2016 um 3,2 Prozent an und erreichte mehr als zehn Milliarden Euro.

Bei den Branchenvertretern, die traditionsgemäß vor Beginn der Grünen Woche, der weltgrößten Agrarmesse in Berlin, eine Österreich-Bilanz ziehen, wird dies mit langjährig stabilen Beziehungen zu den beiden Hauptabsatzmärkten Deutschland und Italien erklärt. Insbesondere die Deutschen, die etwa ein Drittel der Waren abnehmen, erwiesen sich als treue Abnehmer von Käse, Speck, Obst oder Wurstwaren.

Insgesamt, erläutert Michael Blass, Geschäftsführer der AMA Marketing (Agrarmarkt Austria Marketing), sei es gelungen, das Verhältnis Wert zu Menge zu erhöhen. Dies ist ein Indikator dafür, dass mehr höher verarbeitete Produkte mit höherer Wertschöpfung exportiert wurden. Ein Beispiel dafür: statt nur Milch Joghurt oder Käse.

Natürlich wird das EU-Embargo gegenüber Russland kritisiert, aufgrund dessen Russland ein Embargo auf EU-Lebensmittel ausgesprochen hat. "Wir würden es begrüßen, wenn man seitens der EU die Sanktionen überdenkt", sagt Stefan Hautzinger, Aufsichtsratsvorsitzender von der AMA Marketing. Russland war vor den Sanktionen Mitte 2014 der zehntwichtigste Abnehmer von österreichischen Waren, noch vor Großbritannien. Es sei hart gewesen, diesen Markt, für den viel Vorarbeit geleistet worden sei, "von heute auf morgen" zu verlieren. Und: "Die Produktion dort läuft an", sagt Blass. – Allerdings gehen noch immer österreichische Waren im Wert von 117 Millionen Euro nach Russland (Zahlen von 2015). Es sind dies, erläutert Blass, "Vormischungen zur Weiterverarbeitung, die nicht vom Embargo betroffen sind."

Die Unsicherheiten bei den Exportambitionen der Branche nehmen jedenfalls nicht ab. Vor allem ein Brexit, also ein Ausscheren des Vereinigten Königreichs aus der EU, wird von den beiden Branchenvertretern genannt. Ein Handelsembargo à la Russland wird zwar ausgeschlossen, "aber es wird schwieriger werden zu exportieren", sagt Blass. Bei den Ausfuhren ins UK spielen vor allem Energydrinks eine Rolle. Auch bezüglich der USA sind diese Drinks die Hauptsäule des Exports.

foto: apa/ralf hirschberger
Ungarn ist heuer Partnerland der Grünen Woche in Berlin.

Seit dem EU-Beitritt Österreichs hat sich der Agraraußenhandel fast versechsfacht. Gleichzeitig blieb der Abstand zwischen dem Import- und dem Exportwert in dem Sektor relativ konstant. Innerhalb der einzelnen Warengruppen wird mit Getränken (Energydrinks) ein Bilanzüberschuss erzielt. Ebenso bei Fleisch, Milch und Milchprodukten.

Als nächster Schritt ist geplant, stärker auf EU-Gütesiegel ("geschützte Ursprungsbezeichnung") zu setzen, um bei Käse und Speck marketingtechnisch Unverwechselbarkeit zu erreichen. (Johanna Ruzicka aus Berlin, 19.1.2017)

Die Reise erfolgte unter anderem auf Einladung der Landwirtschaftskammer Österreich.

  • Ein Schwein schaut auf dem Messegelände der Internationalen Grünen Woche in Berlin aus seinem Gatter.
    foto: apa/ralf hirschberger

    Ein Schwein schaut auf dem Messegelände der Internationalen Grünen Woche in Berlin aus seinem Gatter.

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