Netflix und Co. "killen" die DVD

29. April 2017, 09:51
75 Postings

Studie der University of Hong Kong findet deutlichen Zusammenhang zwischen Streaming-Verfügbarkeit und DVD-Verkäufen

Videostreaming ist weiter am Vormarsch. Und während Netflix, Amazon und Co. sich zunehmend in den Wohnzimmern ausbreiten, sind die Verkäufe von DVDs und Blu-rays rückläufig. Zwischen 2011 und 2015 sind alleine die Verkäufe der Top-10-DVDs in den USA um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Forscher der Hong Kong University sind nun einem naheliegenden Verdacht nachgegangen. Sie haben untersucht, ob sich die Verfügbarkeit von Filmen und Serien über Streaming auf den Umsatz mit DVDs auswirkt. Eine These, die sie nun als bestätigt ansehen, schreibt Torrentfreak.

Geringere Streaming-Verfügbarkeit ließ DVD-Verkäufe wachsen

Die Wissenschaftler haben die Annahme empirisch auf Basis einer realen Entwicklung beobachtet. 2015 verlängerte Rechteinhaber Epix seine Verträge mit Netflix nicht mehr und schloss stattdessen einen Deal mit dem Konkurrenten Hulu ab. Damit waren zahlreiche Filme und Serien, unter anderem von großen Studios wie Paramount oder Lionsgate, plötzlich nur noch für ein viel kleineres Publikum erreichbar.

Laut Zahlen der Marktforscher von Nielsen erreichte Netflix Ende 2014 36 Prozent aller US-Haushalte. Hulu hingegen kam damals auf 6,5 Prozent, also nur rund ein Sechstel.

Mit dem Verschwinden einiger wichtiger Produktionen von Netflix konnten die Forscher einen Anstieg der DVD-Verkäufe beobachten. Sie sollen in den ersten drei Monaten nach dem Wechsel für die betroffenen Inhalte um 24,7 Prozent zugelegt haben. Insbesondere neuere Filme und solche, die auch im Kino schon sehr erfolgreich waren, soll die Nachfrage besonders in die Höhe geschnellt sein.

Seher ersetzen DVDs mit Streaming

Daraus lässt sich nach Ansicht der Wissenschaftler ein Umkehrschluss ziehen. Sind Filme und Serien über Streamingdienste für ein großes Publikum verfügbar, so "killen" diese die DVD-Verkäufe. Seitens der Filmindustrie scheint man ohnehin schon länger dieser Annahme zu sein, denn viele beliebte Filme der letzten Jahre sind auf Netflix nicht zu finden.

Allerdings weist Torrentfreak auch auf die Limitierungen der Studie hin. Diese bezieht sich nur auf DVD-Verkäufe, nicht aber auf andere physische Datenträger oder digitale Vertriebsformen abseits des Streamings.

Die vorliegenden Daten legen den Rechteinhabern jedenfalls nahe, neue Filme und Serien zumindest für eine gewisse Zeit nicht über Streamingservices verfügbar zu machen. Das wiederum könnte aber das Piraterie-Problem verstärken, das Hollywood schon seit Jahrzehnten für großen Einnahmensentgang verantwortlich macht. (gpi, 29.04.2017)

  • Sind vor allem neuere Filme und Serien flott auf Streaming-Portalen verfügbar, werden weniger DVDs gekauft.
    foto: reuters

    Sind vor allem neuere Filme und Serien flott auf Streaming-Portalen verfügbar, werden weniger DVDs gekauft.

    Share if you care.