Ex-VW-Chef Winterkorn gibt sich ahnungslos

19. Jänner 2017, 17:17
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69-Jähriger lässt in Untersuchungsausschuss viele Fragen unbeantwortet

Berlin – Großer Bahnhof für Martin Winterkorn. Als der ehemalige Chef von Volkswagen am Donnerstag den Deutschen Bundestag betrat, warteten schon unzählige Fotografen und Kameraleute auf ihn – war es doch Winterkorns erster öffentlicher Auftritt nach seinem Rücktritt als VW-Chef im Herbst 2015.

Der ehemalige Topmanager war von jenem parlamentarischen Untersuchungsausschuss geladen worden, der zu ergründen versucht, wie es zu den Manipulationen bei der Messung von Abgaswerten von Dieselfahrzeugen gekommen war und ob die deutschen Behörden davon gewusst hatten. Winterkorn konnte oder wollte jedoch mit seinen Aussagen kein Licht ins Dunkel bringen, sondern stellte sich selbst als Opfer des Skandals dar.

Er habe nicht früher als die Öffentlichkeit von den Manipulationen erfahren (nämlich im September 2015), betonte der 69-Jährige. 35 Jahre habe er bei Volkswagen gearbeitet und fast täglich mit Mitarbeitern gesprochen. "Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin", sagte er. Er habe sich auch nie vorstellen können, dass bei VW so getrickst werde. Aber: "Das Undenkbare ist geschehen."

Viele Fragen beantwortete Winterkorn nicht, um sich nicht selbst zu belasten, die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft ja, ob er und andere Topmanager sich möglicherweise wegen Marktmanipulation strafbar gemacht haben, indem sie die Finanzwelt zu spät über Dieselgate informierten.

Immerhin erklärte Winterkorn, es müssten wohl mehr Leute im Konzern von der Schummelei gewusst haben: "Ich glaube nicht, dass es zwei oder drei Leute waren. Es waren schon mehr. Wie viele, das weiß ich aber nicht." Und er habe nicht dazugehört. Grüne und Linke zeigten sich mit der Befragung unzufrieden. Tenor der Kritik: Entweder habe Winterkorn nicht gewusst, was in seinem Konzern vorgehe, oder er sei im Bilde gewesen und sage nicht die Wahrheit. (bau, 19.1.2017)

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