Akkuprobleme: Apple und Co. müssen endlich umdenken

28. Jänner 2017, 10:16
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Beschwerden nehmen stetig zu – Einfach tauschbare Akkus als kurzfristige Abhilfe

Heftiger Kritik sieht sich derzeit iPhone-Hersteller Apple ausgesetzt: Immer mehr Nutzer berichten von massiven Problemen mit den Akkus ihrer Smartphones. Vor allem ältere Geräte würden sich plötzlich ausschalten, obwohl der Akkustand gerade noch bei 30 Prozent oder sogar mehr war. Alle Versuche von Apple, dieses Problem mittels Software-Updates zu bereinigen, scheinen bisher nichts gefruchtet zu haben, ganz im Gegenteil berichten manche User sogar über eine Verschärfung der Situation.

Das wahre Problem liegt tiefer

Dies wirft natürlich die Frage auf, ob es sich dabei überhaupt um ein Softwareproblem handelt. Im Einzelfall lässt sich dies ohne tieferen Einblick in die von Apple gesammelten Informationen natürlich nicht sagen, was aber schnell auffällt: Gerade in den letzten Monaten häufen sich Berichte über Akkufehler. Und dabei muss man gar nicht erst auf solch extreme Fälle wie Samsungs Galaxy Note 7 verweisen, das aufgrund eines Akkuproblems bei manchen Nutzern in Flammen aufgegangen ist und infolge vom Markt genommen wurde. So gab es in den letzten Monaten etwa Berichte über Probleme mit dem Akku von Googles Nexus 6P, deren Ausformung frappant an die Schwierigkeiten der Apple-Nutzer erinnert. Auch hier schalten sich die betroffenen Geräte nämlich einfach verfrüht ab.

Anderer Blickwinkel

Insofern lohnt es eine etwas allgemeinere Perspektive auf die aktuelle Situation zu legen. Im Kern manifestiert sich hier nämlich ein Problem, über das die Hersteller allesamt lieber schweigen: Aktuelle Akkutechnologien sind nun einmal mit grundlegenden Problemen behaftet. Bei praktisch allen Geräten mit Lithium-Ionen-Akkus gibt es einen gewissen, meist minimalen, Anteil, der überhitzt. Je nach baulichen Gegebenheit kann dies zu einem Brand führen, oft werden solche Vorfälle auch durch leichte Beschädigungen in der Produktion noch begünstigt.

Alterung

Genauso gilt, dass ein Akku eben nur eine gewisse Lebensdauer aufweist, nach und nach nicht nur an Kapazität verliert sondern auch grundlegende Probleme macht. Und hier kommt eine weitere Realität des Smartphone-Alltags ins Spiel: Die Nutzung solcher Geräte ist in den letzten Jahren immer intensiver geworden. Je mehr die Nutzer tagein tagaus auf den kleinen Bildschirm starren, desto stärker belastet dies aber auch den Akku und lässt ihn altern. Dazu kommen noch andere Faktoren: So weisen etwa fast alle aktuellen Smartphones Schnellladetechnologien auf. Das ist fraglos nützlich, lässt sich so doch das Gerät mit wenigen Minuten Ladung wieder für ein paar Stunden einsetzen, stellt aber natürlich eine zusätzliche Belastung für den Akku dar, da hierbei nicht zuletzt die Hitzeentwicklung größer ist. Und dann wäre da noch der Umstand, dass die Akkulaufzeit zu einem immer wichtigeren Argument bei der Wahl eines Smartphones geworden ist, und die Hersteller infolge versuchen auch noch das letzte Stückchen Platz im beengten Gehäuse zu nutzen. All dies führt dazu, dass der Akku bei einer steigenden Zahl von Nutzern schon nach ein bis zwei Jahren Probleme macht.

Kein Interesse an Langlebigkeit

Dass es soweit gekommen ist, haben sich die Konsumenten allerdings zum Teil selbst zuzuschreiben. Solange Langlebigkeit bei der Kaufentscheidungen nur eine untergeordnete Rolle spielt, gibt es für die Hersteller keinerlei Grund, die Entwicklung darauf auszurichten. Immerhin widerspricht dies auch ihren direkten kommerziellen Interessen: Je schneller ein Gerät – natürlich nach Ende des Garantiezeitraums – aufgibt, desto höher sind auch die Absätze bei neuen Smartphones.

Umdenken ist nötig

Die Lehre aus all dem ist eine simple, wenn auch wenig befriedigende: Die Probleme mit Smartphone-Akkus werden nicht so schnell verschwinden. Immerhin ist derzeit kein unmittelbarer Wechsel bei den genutzten Technologien in Sicht. Ganz im Gegenteil dürfte sich die Situation in den kommenden Jahren sogar noch weiter verschärfen, so denn nicht ein Umdenken bei Herstellern oder Konsumenten einsetzt. Ein Teil des Problems ist nämlich auch, dass es bei kaum einem aktuellen Smartphone mehr möglich ist, einfach so den Akku auszutauschen. Es sind nicht zuletzt die schicken, aus Metall, Glas oder Keramik gefertigten, Gehäuse, die nur mehr Fachleute öffnen können, die diese Situation dermaßen problematisch machen. Immerhin war es – zumindest jenseits der Apple-Welt – bis vor ein paar Jahren noch bei fast allen Herstellern möglich, schnell einen Ersatzakku nachzukaufen, und all die diesbezüglichen Problem mit einem schnellen Handgriff zu bereinigen. Mittlerweile stellen Anbieter wie LG, die weiter den Akkutausch ermöglichen, hingegen die absolute Ausnahme dar. Style siegt also einmal mehr über Funktionalität.

Ernüchterung

Allzu große Hoffnungen sollte man sich allerdings nicht machen, dass die wachsenden Probleme zu einer neuen Phase der Modularität bei Smartphones führen. Immerhin zeigt die Realität, dass die Konsumenten vor allem zu schlanken, hochintegrierten Geräten greifen. Und ohne einen guten Grund werden die Hersteller diese Entwicklungsrichtung wohl kaum ändern. (Andreas Proschofsky, 28.1.2017)

  • Der Akku (hier im Bild bei einem zerlegten iPhone 6s) wird immer mehr zum Problempunkt aktueller Smartphones.
    foto: ifixit

    Der Akku (hier im Bild bei einem zerlegten iPhone 6s) wird immer mehr zum Problempunkt aktueller Smartphones.

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