Forschungsberichte als Kriterium für Presseförderung gefordert

19. Jänner 2017, 10:14
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Podiumsdiskussion des Klubs der Bildungsjournalisten – Zusätzlich neue Allianzen von Wissenschaft und Journalismus notwendig

Wien – Für das Frühjahr hat die Regierung eine Reform der Presseförderung angekündigt. Eines der Vergabekriterien für die neue Medienförderung sollte eine qualitätsvolle Berichterstattung zu Wissenschaft und Forschung sein, forderten am Mittwochabend die Teilnehmer einer vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten veranstalteten Podiumsdiskussion in Wien.

Derzeit, darin waren sich die Diskutanten einig, ist es um den österreichischen Wissenschaftsjournalismus schlecht bestellt: Er sei in Österreich "mit Ausnahme von Nischenprodukten unterbesetzt, ein Stück weit prekarisiert und in seiner Wahrnehmbarkeit zu sehr an den Rand gedrängt", fasste es der Präsident der Universitätenkonferenz, Oliver Vitouch, zusammen.

Die Wissenschaft brauche den Journalismus aber als Übersetzer der – immerhin öffentlich finanzierten – Forschungsleistungen in eine verständliche Sprache, betonten Vitouch und Klement Tockner, Präsident des Wissenschaftsfonds FWF. Im Zuge der neuen Medienförderung solle es deshalb auch Geld für Wissenschaftsjournalismus geben. Qualitätskriterien sollen hierbei sicherstellen, dass nicht auch Berichte über Granderwasser als förderungswürdige Wissenschaftsberichterstattung durchgehen.

Neue Modelle für Wissenschaftsjournalisten

Geht es nach Oliver Lehmann, Präsident des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten, kämen diese Mittel am besten über eine Pro-Kopf-Förderung für die Fachjournalisten, damit diese etwa auch in den Redaktionskonferenzen für ihr Thema lobbyieren und so auch abseits ihrer Nische in ihrem Medium verankern können. Zusätzlich müssten freie Journalisten in diesem Feld unterstützt und neue Formen des Wissenschaftsjournalismus gefördert werden. Als Beispiel nannte er das deutsche Science Media Center, das Expertenwissen an Journalisten vermittelt.

Skeptisch sah STANDARD-Wissenschaftsredakteur Klaus Taschwer eine Pro-Kopf-Förderung, immerhin finde Wissenschaftsberichterstattung etwa in Form von Experteninterviews in allen Ressorts statt. Außerdem bezweifelte er, dass eine solche, im Vergleich zu Inseraten der öffentlichen Hand geringe Förderung für Verleger tatsächlich Anreiz für die Beschäftigung von Wissenschaftsjournalisten wäre.

Taschwer forderte zusätzlich "mehr Unterstützung" von den Wissenschaftseinrichtungen selbst: Derzeit würden Millionen an Euro aus Steuergeld an Verlags-Multis wie Elsevier fließen, die der internen Kommunikation der Wissenschafter via Fachjournale dienen. Es wäre nur angebracht, dass hier auch Geld "für die Kommunikation zurück an den Steuerzahler" eingesetzt werde. Auch er plädierte außerdem für "neue Kofinanzierungsmodelle für Wissenschaftsjournalisten", in Deutschland gebe es etwa Kooperationen von Datenjournalisten mit Wissenschaftern aus dem Bereich Big Data.

Medienförderung kein Allheilmittel

Medienwissenschafter Matthias Karmasin dämpfte die Erwartungen an die Auswirkungen einer Medienförderung für Wissenschaftsberichterstattung ebenfalls: Es wäre zwar gut, die Fixkosten-Belastung von Wissenschaftsjournalismus für die Verlage über eine neue Medienförderung zu reduzieren. "Eitel Wonne" breche damit aber sicher nicht aus.

Und noch in einem anderen Bereich warnte Karmasin vor zu hohen Ansprüchen: Auch gutem Wissenschaftsjournalismus werde es alleine nicht gelingen, das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft in Österreich zu verbessern. Laut einer Eurobarometer-Studie ist Österreich beim Interesse der Bevölkerung an Wissenschaft im letzten Drittel. Taschwer: "Man muss genereller überlegen, wie man Wissenschaft besser in die Gesellschaft bringt." (APA, 19.1.2017)

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