Porno-Piraten nutzen Youtube-Hintertür

    19. Jänner 2017, 09:47
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    Googles Video-Plattform wird unfreiwillig zum Hoster für pornografische Inhalte

    Ob Google, Apple oder Facebook – bei einem sind sich die US-amerikanischen Größen der IT-Branche einig: Mit Pornographie will man lieber nichts zu tun haben. Also unternehmen sie einiges, um jegliche auch nur ansatzweise in diese Richtung gehenden Inhalte von ihrer Plattform zu entfernen. Und doch stellt sich nun heraus, dass ausgerechnet eine der bekanntesten Online-Plattformen zur Verbreitung pornografischer Inhalte genutzt wird.

    Überprüfung

    Auf Erwachseneninhalte spezialisierte Webseiten nutzen immer öfter Youtube zur Speicherung und Wiedergabe einschlägiger Clips, berichtet Torrentfreak in einem aktuellen Artikel. Dass dies angesichts der sonst so strengen Checks von Google überhaupt möglich ist, liegt daran, dass sich die Porno-Piraten einer Art Hintertür bei Youtube bedienen. All die von ihnen hochgeladenen Clips werden nämlich nicht als öffentlich sondern als privat markiert. Solche Clips überprüft Youtube aber offenbar nicht auf etwaige Policy-Verstöße.

    All die so gehosteten Videos befinden sich genau genommen auch gar nicht auf Youtube.com sondern sind auf der Domain Googlevideo.com zu finden. Über eine Suche bei Youtube sind sie dadurch ebenfalls nicht aufzuspüren, nur wer den direkten Link weiß, kann den Clip sehen. Allerdings ist es sehr wohl möglich, solche Videos in eine eigene Webseite einzubinden, und genau dies nutzen nun die Piraten für ihre Zwecke.

    Kritik

    Kritiker sehen darin ein grundlegendes Problem, das weit über das Thema Pornografie hinausgeht. Immerhin könne hier so jeder illegale Kopien beliebter Filme hochladen, diese auf seiner Webseite einbetten und über die dort angezeigte Werbung Geld machen, betonen etwa die Produzenten von Dreamroom Productions.

    Die einzige Möglichkeit für die Rechteinhaber ist es derzeit entsprechende Seiten bei Google zu melden. Infolge würden die Inhalte zwar üblicherweise von Youtube gelöscht, dies könne aber bis zu drei Wochen dauern, eine Periode die lang genug sei, damit es sich für die Content-Diebe rentiert. Eine erneutes Hochladen des gleichen Clips sollte eigentlich das Content-ID-System von Google verhindern, die Piraten scheinen aber auch hier Wege gefunden zu haben, dies auszutricksen.

    Keine Lösung in Sicht

    Eine Stellungnahme von Google gibt es zu diesen Vorwürfen bisher nicht. Klar ist aber, dass das Unternehmen eine schwierig aufzulösende Problematik vor sich hat. Wird das private Teilen doch auch von vielen regulären Nutzern für ihre private Videos genutzt. Beginnt Google nun aber, diese Videos genereller auf ihre Inhalte zu prüfen, würde dies zweifellos als massiver Eingriff in die Privatsphäre der User gewertet werden. Also wird man wohl auch weiterhin auf die Meldungen Dritter angewiesen sein. (red, 19.1.2017)

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      grafik: google
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