Der Mensch erreichte Amerika 10.000 Jahre früher als gedacht

22. Jänner 2017, 18:55
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Knochenfunde aus Kanada könnten Besiedlungsgeschichte der Neuen Welt umschreiben

Montréal – Die Besiedelung Nordamerikas muss um 10.000 Jahre zurückdatiert werden – zumindest behauptet das ein Forscherteam um Ariane Burke von der kanadischen Université de Montréal. Eine genaue Analyse von archäologischen Funden aus Höhlen im kanadischen Territorium Yukon weist daraufhin, dass die ersten Menschen aus Asien schon während des Höhepunkts der letzten Eiszeit den Weg in die Neue Welt gefunden haben könnten.

Bisher waren die frühesten Siedlungsreste auf dem amerikanischen Doppelkontinent auf ein Alter von rund 14.500 Jahre datiert worden. Zwischen 1977 und 1987 hat der Archäologe Jacques Cinq-Mars in den Bluefish-Höhlen an der Grenze zu Alaska allerdings zahlreiche unterschiedliche Tierknochen entdeckt, die womöglich auf eine bedeutend ältere Siedlung hindeuten.

Tierknochen mit verräterischen Spuren

Burke und ihre Kollegen haben sich die im Canadian Museum of History in Gatineau aufbewahrten Funde von damals noch einmal vorgenommen. Das Ergebnis der langwierigen, zwei Jahre dauernden Analysen: 15 der insgesamt über 36.000 Knochenframente zeigten laut der im Fachjournal "Plos One" veröffentlichten Studie menschliche Bearbeitungsspuren. Bei 20 weiteren Knochen wurden ebenfalls Markierungen nachgewiesen, die auf menschliche Aktivität hindeuten.

"Die Knochen zeigen reihenweise gerade und V-förmige Linien, die von Steinwerkzeugen zum Häuten von Wild stammen", sagt Burke. "Diese typischen oberflächlichen Schneidemarken stammen eindeutig von Menschen." Richtig spektakulär wurden die Funde aber erst nach einer aktuellen Radiokarbondatierung: Der älteste Knochen mit zweifelsfreien Bearbeitungsspuren war ein Pferdeunterkiefer mit einem Alter von rund 24.000 Jahren.

Eisfreie Siedlungsinseln

"Unsere Arbeit belegt, dass es sich hier um die ältesten bekannten Siedlungsspuren in Kanada handelt", sind die Forscher überzeugt. Die Untersuchungen würden bestätigen, dass der Osten Beringias, jener Landbrücke also, die damals Nordostasien mit Amerika verband, bereits während des Höhepunktes der letzten Eiszeit besiedelt war. Damals allerdings müsste der Norden des Kontinents eigentlich von einem massiven Eispanzer überzogen gewesen sein.

Möglicherweise traf dies aber nicht auf alle Regionen zu, meint Burke. Die Forscherin und ihr Team vermuten, dass damals auf der Bering-Landbrücke einige Gebiete eisfrei geblieben waren. Pollenuntersuchungen der vergangenen Jahre scheinen die These zu untermauern und auf ein regional mildes Klima hinzudeuten. Nach Ansicht der Wissenschafter könnten die Ahnen der Indianer dort mehrere Jahrtausende isoliert gelebt haben, ehe sie in den Süden weiterzogen. (red, 22.1.2017)

  • 15 Tierknochen aus einer Höhle im Nordwesten Kanadas zeigen Spuren menschlicher Aktivität. Für Ariane Burke und ihre Kollegen sind sie ein deutlicher Hinweis, dass bereits vor 24.000 Jahren Menschen den amerikanischen Kontinent bewohnten.
    illustr.: université de montréal

    15 Tierknochen aus einer Höhle im Nordwesten Kanadas zeigen Spuren menschlicher Aktivität. Für Ariane Burke und ihre Kollegen sind sie ein deutlicher Hinweis, dass bereits vor 24.000 Jahren Menschen den amerikanischen Kontinent bewohnten.

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