ÖBB-Fernbus Hellö fährt in roten Zahlen

19. Jänner 2017, 08:00
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Hart und ruinös nennt die Wirtschaftskammer den Fernbusmarkt. Hellö fährt gut 5,7 Millionen Euro Verlust ein

Wien – Die dunklen Wolken, die beim Start vor einem halben Jahr über dem ÖBB-Fernbus Hellö aufzogen, haben sich nicht verzogen. Im Gegenteil, die Konzentration auf dem heiß umkämpften Busmarkt der europäischen Städteverbindungen hat zugenommen, der Preiskampf ist enorm. Sozusagen das erste Opfer dieser Entwicklung ist der jüngste Markteindringling selbst: Das Minus, das Hellö im Rumpfjahr 2016 einfuhr, beläuft sich auf 5,7 Millionen Euro (Ebit). Das erfuhr DER STANDARD in ÖBB-Aufsichtsratskreisen.

Andere Quellen taxieren den Anfangsverlust, den die Bundesbahn mit Hellö einfährt, gar auf fast acht Millionen Euro. Beide Werte werden von der Staatsbahn weder bestätigt noch dementiert. "Wir haben gewusst, dass der Markt sehr umkämpft ist", sagt der für den ÖBB-Personenverkehr, dessen Tochter Postbus und Hellö zuständige ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder, Zahlen kommentiere man aber nicht. 100.000 verkaufte Tickets seit dem Start im Juli seien "für einen Newcomer beachtlich", betont Rieder.

20 Passagiere pro Bus und Tag

Heruntergebrochen auf 28 Busse und rund 180 Tage Fahrbetrieb seit dem Start scheint die Auslastung mit 20 Passagieren pro Tag und Bus freilich überschaubar. Berücksichtigt man, dass jeder Bus mehrmals täglich fährt, fällt die Auslastung noch weiter ab.

"Sehr mutig und ambitioniert" nennt man den Hellö-Start der ÖBB denn auch im Fachverband Busunternehmen in der Wirtschaftskammer. Der Markt wachse kaum, der Preiskampf sei ruinös – besonders für Marktteilnehmer, die damit Geld verdienen müssen, sagt Fachverbandsgeschäftsführer Paul Blachnik zum STANDARD. Allerdings sei der heimische Fernbusmarkt im Vergleich zum deutschen unbedeutend, mache gerade einmal zwei Prozent des Gesamtmarkts aus.

Fünf Jahre rote Zahlen

ÖVP-Verkehrssprecher Andreas Ottenschläger beeindrucken die 100.000 von Hellö teils zu Dumpingpreisen verkauften Tickets nicht: "Das bedeutet fast fünf Jahre lang rote Zahlen auf Kosten des Steuerzahlers." In den schwarzen Zahlen ankommen will die ÖBB-Postbus-Tochter Hellö wie berichtet frühestens 2020. Ob man das mit Aktionspreisen schafft, bleibt abzuwarten.

Jedenfalls wird das Liniennetz nachjustiert, manche Linien gestrichen. Straßburg etwa fährt man bereits seit Oktober nicht mehr von Wien aus an (wurde auf Karlsruhe verkürzt), Innsbruck–Zürich folgt dem Vernehmen nach. Die Erweiterung der Verbindung Innsbruck–München ist genau genommen keine, denn sie ist Teil der Linie München–Venedig, wird aber auf siebenmal täglich aufgestockt. Abweichungen im Fahrplan gibt es an schwachen Tagen, dienstags und mittwochs ist das Angebot dünner.

Viermal täglich der "Renner"

Um Fahrzeiten zu verkürzen, verlegt Hellö wie berichtet Haltestellen oder fährt sie nicht mehr an, etwa Brünn, Regensburg und Graz-Hauptbahnhof (wird durch Flughafen Graz ersetzt). Verstärkt auf viermal täglich werden die "Renner", also Wien–Berlin und Wien–München.

Das Marktwachstum im Vorjahr schätzt man beim österreichischen Marktführer Blaguss/Westbus/Flixbus auf sieben bis zehn Prozent. Der deutsche Fernbusmarkt wuchs laut dem Vergleichsportal fernbusse.de um neun Prozent, transportiert wurden 25,3 Millionen Fahrgäste, davon 16,6 Millionen innerhalb Deutschlands, das entspricht einem Plus von 4,4 Prozent. Auf grenzüberschreitenden Linien waren 8,7 Millionen Passagiere unterwegs – fast ein Fünftel mehr als im Jahr 2015. (Luise Ungerboeck, 19.1.2017)

  • Dunkle Wolken über dem ÖBB-Fernbus. Bis die schwarzen Hellö-Busse der Bundesbahn aus den roten Zahlen fahren, vergehen noch gut vier Jahre.
    foto: marek knopp

    Dunkle Wolken über dem ÖBB-Fernbus. Bis die schwarzen Hellö-Busse der Bundesbahn aus den roten Zahlen fahren, vergehen noch gut vier Jahre.

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