Warum Wachstum und Teuerung heuer ein Comeback feiern

19. Jänner 2017, 14:00
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Sechs Thesen für das Finanzjahr 2017 signalisieren eine langsame Rückkehr zur Normalität – sowie grünes Licht für die Aktienmärkte

Wien – Ein ganzes Finanzjahr auf sechs Thesen herunterzubrechen ist herausfordernd. Dessen ungeachtet wagt Gerold Permoser, Veranlagungschef des Vermögensverwalters Erste Asset Management, für heuer den Blick in die Glaskugel und gibt eine "relativ optimistische" Prognose ab. DER STANDARD hat untersucht, inwieweit sich seine Aussagen mit den Meinungen anderer Häuser decken.

· Comeback des Wachstums Gespeist wird die Zuversicht durch ein Wiedererstarken der Weltwirtschaft, wobei Schwellenländer nach mageren Jahren wieder als Konjunkturlokomotive dienen sollen. Ähnlich sieht das Martin Bruckner, Vorstand der Allianz Investmentbank: "Während die Weltwirtschaft in der Vergangenheit deutlich unterkühlt war und von zum Teil unerwarteten Schnee- und Eismassen eingedämmt wurde, steigen die Temperaturen langsam wieder", meint er und fügt hinzu: "Von einer langfristigen Wärmeperiode sind wir aber noch weit entfernt."

· Ende der Sparsamkeit Nach Jahren der Austerität wird erwartet, dass die Politik bei den Staatsausgaben den Fuß von der Bremse nehmen wird. Diese Ansicht teilt Stratege Jean-Baptiste Berthon vom Hedgefondsanbieter Lyxor, der für das laufende Jahr "mehr fiskalpolitische Impulse" erwartet.

· Anstieg der Teuerung Die Inflation wird laut Permoser heuer wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen – und zwar "aus den richtigen Gründen": nämlich dem Abbau von Überkapazitäten in der Produktion, den steigenden Rohstoffpreisen, geringerer Arbeitslosigkeit und dem schwachen Euro, durch den Inflation importiert wird. Neuerlich entspricht diese Ansicht der Marktmeinung. Charlie Thomas, Fondsmanager bei Jupiter, betont die "deutlich gestiegenen Inflationserwartungen".

· Wirkung der EZB-Geldpolitik Trotz der Verringerung der monatlichen Anleihenkäufe ab April erwartet Permoser "massive Auswirkungen" der Geldpolitik der EZB. Sie verbillige die Finanzierung von Staaten und in weiterer Folge auch für Unternehmen und private Haushalte.

· Rotation an Aktienmärkten Permoser geht davon aus, dass der Trend der vergangenen Monate – zyklische konjunktursensible Aktien entwickeln sich besser als defensive sicherere Titel – das ganze Jahr anhalten wird. In diesem Punkt hat Fidelity-Fondsmanager Nick Peters Bedenken. "Anleger sollten defensive Branchen nicht vernachlässigen", lautet sein Rat.

· Politisch schwieriges Jahr Durch die anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland hält Permoser belastende Ergebnisse für möglich. Zumal sich diese, wie im Vorjahr das Brexit-Votum und die Wahl Donald Trumps, nur schwer vorhersagen lassen. "Auf dem europäischen Kontinent gibt es interessante Chancen, aber die politische Unsicherheit ist groß", pflichtet Vincent McEntegart, Investment Manager bei Kermen, bei.

Unter dem Strich entspricht Permosers Ansicht zumeist der Marktmeinung und spricht für Investitionen in Aktien. Ein Haar in der Suppe ist die politische Unsicherheit. Aber einerseits gibt es ohne Risiko keinen Ertrag, wie auch Permoser betont. Zudem lautet eine alte Börsenweisheit: "Politische Börsen haben kurze Beine." Soll heißen: Auf lange Sicht bestimmen die Unternehmensergebnisse die Aktienkurse. (Alexander Hahn, 19.1.2017)

  • Ein Blick in die Glaskugel zeigt – allerdings spiegelverkehrt – steigende Aktienkurse. Das würde auch zu den Thesen der Erste Asset Management passen.
    foto: apa/dpa/frank rumpenhorst

    Ein Blick in die Glaskugel zeigt – allerdings spiegelverkehrt – steigende Aktienkurse. Das würde auch zu den Thesen der Erste Asset Management passen.

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