Flüchtlinge ohne Job: Sobotkas fragwürdige Zahlen

18. Jänner 2017, 17:49
366 Postings

Laut Sozialministerium findet ein Viertel der Flüchtlinge einen Job, der Innenminister spricht nur von zehn Prozent

Wien – Der Innenminister untermauerte mit der Zahl seinen Ruf nach strengeren Asylgesetzen: 90 Prozent der anerkannten Flüchtlinge fänden keine Arbeit und landeten folglich in der Mindestsicherung, sagte der ÖVP-Politiker Wolfgang Sobotka in der Zeit im Bild 2 des ORF. Dies zeige, dass Österreich mit der Integration zunehmend überfordert sei.

Doch stimmt diese Zahl überhaupt? DER STANDARD hat nachgefragt, zuerst im Sozialministerium. Natürlich sei es in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit sehr schwer, Asylberechtigte in Jobs unterzubringen, antwortet man im Büro von Sozialminister Alois Stöger (SPÖ), "doch die jüngsten Zahlen des Ministers Sobotka sind nicht nachvollziehbar".

Das Sozialministerium beruft sich auf Daten der Sozialversicherung und setzt die Erfolgsquote deutlich höher an. Demnach fanden von jenen Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten, die 2015 hierzulande anerkannt wurden, 25 Prozent innerhalb eines Jahres einen Arbeitsplatz. Nicht jeder davon war von Dauer: Länger als drei Monate in Beschäftigung waren 20 Prozent.

Eine Langzeitanalyse ab 2010 ergibt folgendes Bild: In den ersten fünf Jahren findet die Hälfte der Flüchtlinge einen Job.

AMS nennt andere Quote

Das Arbeitsmarktservice (AMS) nennt allerdings wieder eine andere Quote, die näher bei Sobotka liegt. Von jenen Flüchtlingen, die 2015 ihren Aufenthaltsstatus erhielten, haben sich von Jänner 2015 bis zum Juni des Vorjahres 9523 Personen bei den Jobvermittlern gemeldet. Mit Stichtag Ende November 2016 waren davon 67,3 Prozent arbeitslos, 17,6 Prozent aus dem Arbeitskräftepool ausgeschieden und nur 15 Prozent in Beschäftigung.

Im Sozialministerium erklärt man die Diskrepanz so: Im Gegensatz zum AMS greife man auf eine durchgängige Betrachtung zurück. Eine Statistik, die auf einem Stichtag im November beruhe, blende hingegen etwa sommerliche Saisonarbeiter aus – doch gerade in solchen temporären Jobs hätten Flüchtlinge Chancen.

Und die zehn Prozent, von denen Sobotka spricht? Auf Nachfrage des STANDARD gab das Büro des Innenministers keine konkrete Quelle preis.

Faktum ist, dass die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge in Österreich massiv gestiegen ist: binnen zwei Jahren laut AMS von 13.801 auf 28.125 Personen, Schulungsteilnehmer eingerechnet. Allein 17.746 davon sind in Wien gemeldet. Insgesamt am stärksten vertreten sind die Syrer (12.335) vor den Afghanen (5.218). (Gerald John, 18.1.2017)

Share if you care.