Milliardenprofit durch "modernes Sklaventum"

18. Jänner 2017, 17:17
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Konzerne diskutieren Maßnahmen gegen Ausbeutung – Lieferanten und Subunternehmer im Visier

Davos – Ausbeutung von Arbeitskräften, Kinderarbeit, modernes Sklaventum: Das Weltwirtschaftsforum sei genau der richtige Ort, um über dieses Thema zu diskutieren und weitere Aufmerksamkeit zu schaffen, befand Monique Villa, Chefin der Thomson-Reuters-Stiftung.

Sie hatte die US-Schauspielerin Gillian Anderson nach Davos eingeladen, die sich seit ihrem Film Verkauft, in dem es um das Schicksal eines für Sklavenarbeit verkauften Mädchens geht, gegen Kinderarbeit engagiert. Für die dreifache Mutter ist es ein "stilles Verbrechen". Anders als im Film dargestellt, würden 70 Prozent nicht ihren Peinigern entkommen, sagte Anderson.

45 Millionen "moderne Sklaven"

Laut Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO sind weltweit mehr als 45 Millionen Menschen Opfer "moderner Sklaverei". 26 Prozent sind Kinder, 55 Prozent aller Betroffenen weiblich. Die Uno-Organisation schätzt, dass sich die illegalen Profite daraus auf weltweit rund 150 Milliarden US-Dollar (140 Milliarden Euro) jährlich summieren. Das sei "konservativ geschätzt", meint Villa, die sich seit Jahren mit dem Thema auseinandersetzt.

Laut Michael Posner, der sich als Wirtschaftsprofessor an der New York University damit beschäftigt, werde es für immer mehr Unternehmen zu einem Geschäftsrisiko, wenn sie bei ihren Lieferanten nicht vorab checken, ob ethische Standards wie ein Verbot von Kinderarbeit eingehalten werden. Vor allem Großkonzerne würden inzwischen darauf achten – auch weil es immer mehr zu einem öffentlichen Thema werde.

Lieferanten überpüfen

Wie sein Konzern damit umgeht, schildert der beim Konsumgüterkonzern Unilever für Lieferketten verantwortliche Manager Marc Engel. Es gebe rund 80.000 Lieferanten in 190 Staaten, die überprüft worden seien. Das Problem sei, dass diese dann Sub- und weitere Subunternehmer hätten. Man müsse immer wieder klarmachen, was erwartet werde, und Fehlverhalten sofort ahnden. Bei neuen Lieferanten werde vorab eine Risikoabschätzung gemacht.

Auch John Schultz, Generalsekretär des Tech-Konzerns Hewlett-Packard, räumte ein, dass das Problem vor allem in der Elektronikindustrie bekannt sei. Man müsse jeden Tag auch am Bewusstsein arbeiten. Was sollen Firmen tun, wenn Sklavenarbeit wie jüngst in Bangladesch bekannt wird? "Bleibt und ändert dort etwas", rät Posner.

Rechtlich sei die Sache nicht immer eindeutig, erklärt Hugh Verrier, Chef der international tätigen Anwaltskanzlei White & Case. "Das ist ein schwarzes Loch in der Gesetzgebung." Arbeitsgesetze werden auf nationaler Ebene vorgegeben. Und es brauche Kläger. Aber die Betroffenen könnten sich keine Anwälte leisten. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, 18.1.2017)

  • Die US-Schauspielerin Gillian Anderson engagiert sich gegen Kinderarbeit.
    foto: reuters

    Die US-Schauspielerin Gillian Anderson engagiert sich gegen Kinderarbeit.

  • Laut ILO sind weltweit 45 Millionen Menschen von "moderner Sklaverei" betroffen, 26 Prozent davon sind Kinder.
    foto: apa/epa/rungroj yongrit

    Laut ILO sind weltweit 45 Millionen Menschen von "moderner Sklaverei" betroffen, 26 Prozent davon sind Kinder.

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