Die nächste Stiftung: Externer Thinktank statt Landesakademie

    19. Jänner 2017, 05:30
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    Die Forum-Morgen-Privatstiftung soll Niederösterreichs Entwicklung befördern. Jährlich wird sie mit fünf Millionen Euro dotiert

    Wien – Stiften gehen ist in Niederösterreich nichts ganz Unübliches, auch abseits der Dr.-Erwin-Pröll-Privatstiftung. Die jüngste Stiftung des Landes wurde im Oktober des Vorjahres gegründet: die Forum-Morgen-Privatstiftung in Krems an der Donau. Am 1. Jänner hat sie ihre Tätigkeit als "Thinktank" Niederösterreichs aufgenommen, kümmern will sie sich um die "Förderung von Wissenschaft, tertiärer Bildung sowie Kunst und Kultur".

    Stifter ist das Land, im Vorstand sitzen der Wiener Rechtsanwalt Andreas Theiss, der langjährige St. Pöltner Spitzenbeamte Joachim Rössl, ehedem Leiter der Abteilung Wissenschaft und Forschung sowie Chef der Gruppe Kultur, Wissenschaft, Unterricht. Er gilt als Erwin Prölls enger Vertrauter und ist inzwischen im Ruhestand. Vorsitzende des Gremiums ist Bettina Glatz-Kremsner. Sie sitzt im Vorstand der Casinos AG und in der Geschäftsführung der Lotterien. Der von Stifter Land bestellte Vorstand war ausgeschrieben, der Personalberater Jenewein Amrop hat die rund 65 Bewerber gescreent.

    Fünf Millionen pro Jahr

    Damit die Forum-Morgen-Stiftung ins Leben der Niederösterreicher treten konnte, war das Sterben der NÖ Landesakademie (LAK) nötig. Sie war 1988 per Gesetz als "Wissensdienstleisterin für fach- und gesellschaftspolitisch wichtige Themen insbesondere in Fragen des Bildungswesens und der Landesentwicklung" gegründet worden. Pro Jahr bekam sie fünf Millionen Euro vom Land – diese Dotierung bekommt nun die Forum-Morgen-Privatstiftung.

    Das Ende der LAK kam für viele (auch für ihre Leitung) unerwartet, die rund 65 Mitarbeiter wurden inzwischen in anderen Bereichen untergebracht. 2016 hatte ÖVP-Klubobmann Klaus Schneeberger die Stiftungsidee präsentiert. Ihr Ursprung stammt allerdings vom Rektor der Donau-Universität Krems, Friedrich Faulhammer – womit sich jedenfalls der Sitz der Stiftung in Krems erklärt.

    "Zeitgemäße Neuorientierung"

    Im Antrag der Landesregierung an den Landtag von Mai 2016 hieß es dazu: Die Donau-Uni sei zum Thema "der weiteren Landesentwicklung initiativ geworden" und habe eine "zeitgemäße Neuorientierung vorgeschlagen, die auf Kooperationen mit akademischen Einrichtungen basiert". Das Gesetz zur Beendigung der LAK wurde reibungslos beschlossen, dem Landtag eine Stiftungsurkunde zum Beschluss vorgelegt.

    Die Grünen setzten 14 Änderungen durch, erzählt die Klubobfrau der Grünen NÖ, Helga Krismer. So ist nun etwa das Thema Klimawandel im Stiftungszweck verankert – und die Stiftung muss dem Landtag einmal pro Jahr einen Bericht vorlegen. Begünstigte der Stiftung sind die Allgemeinheit "und von der Stiftung von Fall zu Fall bestellte Personen". Entschieden wird all das vom Vorstand, der nach Aufwand bezahlt wird.

    Mehr Unabhängigkeit

    Die Frage, warum eine Privatstiftung errichtet und die Landesakademie verabschiedet wurde, beantworten alle Involvierten gleich: Die neue Konstruktion gewährleiste mehr Unabhängigkeit als die alte.

    Und was hat sich der Forum-Morgen-Stiftungsvorstand vorgenommen? Geht es nach Andreas Theiss, sehr viel: "Die Arbeit der Stiftung soll Österreich dorthin bringen, wo es hingehört. Denn wir waren schon einmal besser." (Renate Graber, 19.1.2017)

    • Das Licht für den Thinktank ging auf dem Campus der Donau-Uni Krems auf.
      foto: donauuni

      Das Licht für den Thinktank ging auf dem Campus der Donau-Uni Krems auf.

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