ORF-Klausur: Führungsstruktur – noch – ungeklärt

18. Jänner 2017, 18:22
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Channel Manager für TV-Kanäle spießen sich mit Direktionsstruktur

Wien – Sophie brachte offenbar keine Entscheidung über die künftige Führungsstruktur im ORF-Fernsehen: In der gleichnamigen Lounge des Parkhotel Schönbrunn tagte ab Montag das Management des öffentlich-rechtlichen Senders. Von der Klausur wurde eine Klärung erwartet, wie die geplanten Channel Manager für ORF 1 und ORF 2 künftig in die Führungsstruktur des ORF passen. Die Klärung soll nach STANDARD-Infos – Stand Mittwochnachmittag – vorerst noch ausstehen.

Nach bisherigen Ankündigungen von ORF-Chef Alexander Wrabetz sollten die neuen Channel Manager dem Generaldirektor, also ihm, unterstellt werden – was ihm massive Kritik insbesondere von bürgerlichen Stiftungsräten eintrug.

Berichtswesen

"TV-Media" berichtet nun von Überlegungen, die Channel Manager an die gesamte Geschäftsführung berichten zu lassen – also Wrabetz plus die vier Zentraldirektoren, insbesondere Programmdirektorin Kathrin Zechner. Zechner war bisher als Fernsehdirektorin für Programm und Information zuständig – und war merklich unerfreut über eine neue Rolle als Programmlieferantin für Channel Manager.

In der jüngsten Sitzung des ORF-Publikumsrates im Dezember bestätigte Wrabetz auf Anfrage, dass Zechner nicht mehr für die Information zuständig sein soll; die lange angekündigten Channel Manager nahm er sich da nun für das erste Quartal 2017 vor.

Planspiele und Quadraturen

Eine Board-Zuordnung der Channel Manager sehen langjährige ORF-Insider freilich skeptisch – einer spricht von "Chaos total" und bei der neuen Struktur von einer "Quadratur des Kreises". Wenn es vor allem um neue Zuordnung der Information gehe, bräuchte es eher einen Infodirektor denn Channel Manager. Aber: mit zwei Channel Managern lassen sich die Vorstellungen von SPÖ und ÖVP eher erfüllen denn mit einem Infodirektor. Die Channel Manager aber wären – sofern ihre Funktion korrekt benannt ist – auch für Programm/Unterhaltung zuständig.

Als großkoalitionäre Besetzung der beiden Channel Manager wurde, wie mehrfach berichtet, in den vergangenen Wochen massiv kolportiert: Elisabeth Totzauer als Channel Managerin für ORF 1, sie ist dort schon Infochefin. Der den Sozialdemokraten zugerechnete, bisherige Salzburger Landesdirektor Roland Brunhofer als Channel Manager von ORF 2.

Mit Widerstand der ORF-Journalisten insbesondere gegen Brunhofer ist zu rechnen. Die Senderführung von ORF 2 bedeutet – nach der Programmierung – praktisch die Funktion eines Infodirektors für das ORF-Fernsehen: Die großen Infosendungen laufen in ORF 2.

Online at last

Die Klausur im Parkhotel wurde am Mittwoch fortgesetzt, da freilich ging es nach STANDARD-Informationen um die Onlineauftritte des ORF, darunter offenbar auch der lange geplante und schon bei mehreren Klausuren gewälzte Youtube-Kanal des ORF. Bisher ist kein Angebotskonzept dazu veröffentlicht – das bräuchte es für die nötige Prüfung der Medienbehörde KommAustria. Eine STANDARD-Anfrage zur Klausur blieb vom ORF bisher unbeantwortet.

Und falls Sie wissen wollen, wie man in der Sophie des Parkhotels Schönbrunn so tagt – so sieht sie aus:

foto: parkhotel schönbrunn / screenshot
Sophie-Lounge im Parkhotel Schönbrunn: Wo die ORF-Chefs tagten.

(fid, 18.1.2017)

  • Programmdirektorin Kathrin Zechner und ORF-Chef Wrabetz.
    foto: apa/erwin scheriau

    Programmdirektorin Kathrin Zechner und ORF-Chef Wrabetz.

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