Russische und türkische Luftwaffe gemeinsam gegen den IS

18. Jänner 2017, 16:05
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Jihadisten zünden Reifen und Ölfässer an, um die Sicht für Kampfflugzeuge zu erschweren

Damaskus – Im syrischen Deir-al-Zor ist die Gewalt zwischen Regierungstruppen und Jihadisten wieder heftig aufgeflammt. Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mitteilte, legten Kämpfer der Miliz "Islamischer Staat" (IS) große Feuer, um Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe zu stören.

Das russische Verteidigungsministerium verlautbarte am Mittwoch, dass türkische und russische Flugzeuge gemeinsame Luftangriffe zur Unterstützung der türkischen Armee geflogen seien. Laut Generalleutnant Sergei Rudskoi, handelt es sich dabei um eine Premiere.

IS-Offensive

Seit Samstag läuft in Deir-al-Zor im Osten des Landes eine Offensive des IS, der den Teil der Stadt erobern will, der unter Kontrolle der Regierungstruppen steht. Der Beobachtungsstelle zufolge zündeten die Jihadisten am Mittwoch Reifen und Ölfässer an, um die Sicht für Kampfflugzeuge zu erschweren. Wie aus Militärkreisen verlautete, flogen russische und syrische Maschinen unaufhörlich Angriffe auf die Stadt.

Dem örtlichen Aktivisten Omar Abu Leila zufolge exekutierte der IS außerdem mindestens zehn regierungstreue Kämpfer in Deir-al-Zor, die während der Kämpfe gefangen genommen worden waren. Seinen Angaben zufolge überrollten sie die Gefangenen mit Panzern. "Wenn der IS die Bezirke erobert, die noch in den Händen der Regierungstruppen sind, wird es ein Massaker geben", sagte der Aktivist. "Das beunruhigt uns sehr."

Waffenruhe ohne IS

Der IS und andere Jihadistische Gruppen sind von der Waffenruhe ausgenommen, die Russland und die Türkei Ende Dezember für Syrien ausgehandelt hatten. Im Norden des Landes kämpft auch die Türkei gegen den IS. In "Zusammenarbeit mit der Türkei" seien Ziele nahe Al-Bab identifiziert und angegriffen worden, sagte am Dienstag der Sprecher der US-geführten Koalition gegen den IS, John Dorrian. Es sei "im beiderseitigen Interesse" gewesen, diese Ziele zu zerstören.

Den Angaben zufolge gab es in den vergangenen Tagen in der Region um Al-Bab insgesamt vier Luftangriffe. Ziele waren unter anderem Fahrzeuge und eine taktische Einheit des IS. Al-Bab ist eine Hochburg der Extremisten. Die Türkei bekämpft den IS in Syrien seit August, die Rückeroberung von Al-Bab gestaltet sich aber als schwierig.

Die Türkei hatte die USA zuletzt immer wieder um mehr Unterstützung in Al-Bab gebeten. Bisher beschränkte sich die Hilfe aber vor allem auf Aufklärungs- und Überwachungsflüge. Die USA sind in der schwierigen Position, dass sie zwar Ankara im Kampf gegen den IS helfen, jedoch verhindern wollen, dass die türkischen Truppen kurdische Kämpfer in der Region angreifen. Diese kämpfen dort ebenfalls gegen den IS.

Guterres warnt

Der syrische Bürgerkrieg wütet seit 2011, begonnen hatte er mit regierungskritischen Protesten. Mittlerweile sind dutzende Länder in den Konflikt involviert. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte am Mittwoch in Genf, die Konsequenzen und globalen Bedrohungen durch den Konflikt seien "zu gefährlich für alle" geworden, als dass sie ungelöst bleiben könnten.

Das syrische Volk leide, das Land sei zerstört und die gesamte Region wegen des Konflikts instabil, sagte Guterres. Alle Länder, die Einfluss auf die Konfliktparteien hätten, müssten daher "ihre Differenzen überwinden". Kommende Woche finden in Kasachstan Syrien-Verhandlungen unter der Federführung Russlands, der Türkei und des Iran statt. Teheran wehrt sich allerdings gegen die Teilnahme der USA an den Gesprächen.

Unterdessen wurden nach Angaben von Aktivisten bei einer Explosion in einem Tunnel nahe Damaskus ein General und acht weitere syrische Soldaten getötet. Wie die Beobachtungsstelle mitteilte, hatten Rebellenkämpfer am Dienstagabend Sprengsätze in dem Tunnel in Harasta nordöstlich der syrischen Hauptstadt platziert. Daraufhin stürzte ein Gebäude ein, in dem sich die Streitkräfte versammelt hatten. (APA, AFP, 18.1.2017)

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    foto: . reuters/khalil ashawi
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