Gasheizung schlägt Pelletskessel bei Heizkostenvergleich

18. Jänner 2017, 12:22
494 Postings

Erdgas-Brennwertsysteme schneiden bei Aufsummierung der Energie-, Investitions- und Wartungskosten am günstigsten ab

Wien – Die Preisentwicklung macht den Proponenten erneuerbarer Energien einen Strich durch die Rechnung – zumindest was das Heizen betrifft. Es ist nämlich neuerlich die Erdgasbrennwertheizung, die wie schon im Vorjahr beim Vergleich der Vollkosten, also inklusive Investition, Wartung und Instandhaltung, preislich am günstigsten abschneidet. Biomassesysteme sind zwar in puncto Klimaschutz top, im Vollkostenvergleich aber zum Teil deutlich teurer als Heizsysteme auf Basis von Erdgas.

"Das freut uns nicht, ist aber Realität", sagt Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, die den Preisvergleich erstellt hat. Er fordert eine CO2-Steuer. "Damit könnte die Regierung steuernd eingreifen", sagt Traupmann. Das sei nötig, wenn die beim Weltklimagipfel in Paris vereinbarte Reduzierung der Treibhausgasemissionen erreicht werden soll.

Einfamilienhaus als Vergleichsbasis

Der Heizkostenvergleich wurde am Beispiel eines Einfamilienhauses mit einer Nutzfläche von 118 Quadratmetern, einem Warmwasserverbrauch von 12,8 Kilowattstunden je Quadratmeter und neuer Haustechnik vorgenommen. Allfällige Förderungen für Kesseltausch und dergleichen wurden nicht berücksichtigt. Gerechnet wurden Beispiele für neu gebaute Häuser beziehungsweise thermisch sanierte und nicht sanierte Gebäude.

Dabei zeigte sich, dass Erdgas-Brennwertsysteme in allen Gebäudeklassen die preisgünstigsten sind. Vergleicht man die reinen Energiekosten ohne Investitionen in System, Wartung und Instandhaltung, schneiden Wärmepumpen am besten ab.

In Sachen Klimaschutz punkten hingegen Biomassesysteme, die mit Scheitholz oder Pellets betrieben werden. Die höchsten CO2-Emissionen weisen Öl- und Gas-Brennwertsysteme auf. Die Emissionen an Kohlendioxid eines Öl-Brennwertsystems sind bis zu 43-mal höher als etwa beim Scheitholz. Emissionen an Feinstaub wurden allerdings nicht untersucht.

Unterschiede zwischen Gebäudetypen

Die jährlichen Vollkosten einer Gasheizung liegen im Neubau bei rund 2.900 Euro, im sanierten Gebäude bei rund 3.000 Euro und bei einem nicht sanierten Haus bei etwas über 4.500 Euro. Der Hauptgrund, warum die Erdgasheizung wie schon im Vorjahrsvergleich preislich am besten abschneidet, seien die vergleichsweise geringen Investitions- und Instandhaltungskosten sowie ein hoher Systemnutzungsgrad, sagt Georg Trnka, der wissenschaftliche Experte der Energieagentur.

Das teuerste Heizsystem sowohl im thermisch sanierten als auch im unsanierten Einfamilienhaus ist die Wärmepumpe auf Basis Sole/Wasser mit Erdsonde. Grund sind die hohen Investitions- und Wartungskosten. Im Neubau ist das Heizen mit Pellets am teuersten, da auch hier die Investitions- und Wartungskosten zu Buche schlagen und zusätzlich der Systemnutzungsgrad bei geringer Wärmeanforderung stark abfällt.

Fernwärme führt

In Österreich gibt es nach Angaben der Statistik Austria 3,75 Millionen Heizungen. Gut 37 Prozent entfallen auf Fernwärme, die zwar die höchsten Energiekosten aufweist, bei Investition und Wartung aber vergleichsweise günstig ist. Dahinter folgt mit knapp 24 Prozent Erdgas vor Biomasse (18,6 Prozent), Heizöl und Flüssiggas (16,6 Prozent). Umgebungswärme (Wärmepumpe) wächst stark und hat einen Anteil von 7,6 Prozent an den gesamten Heizungssystemen, Strom kommt auf 8,8 Prozent, Kohle geht gegen null. (Günther Strobl, 18.1.2017)

  • Heizen mit Fernwärme steht hoch im Kurs, auch wenn es nicht die billigste Form ist, wenn man alle Kosten inklusive Investition, Wartung und Instandhaltung berücksichtigt. Am günstigsten sind im Vollkostenvergleich Erdgas-Brennwertsysteme. Umweltfreundliche Pelletsanlagen landen im Hinterfeld.
    foto: dpa

    Heizen mit Fernwärme steht hoch im Kurs, auch wenn es nicht die billigste Form ist, wenn man alle Kosten inklusive Investition, Wartung und Instandhaltung berücksichtigt. Am günstigsten sind im Vollkostenvergleich Erdgas-Brennwertsysteme. Umweltfreundliche Pelletsanlagen landen im Hinterfeld.

Share if you care.