Preisabstand zur EU ist hausgemacht

18. Jänner 2017, 17:27
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Steigende Mieten und teurere Wirte ließen die Preise in Österreich im Vorjahr stärker steigen als im EU-Schnitt

Wien – Die Lebenserhaltungskosten sind in Österreich im Vorjahr um 0,9 Prozent gestiegen. Es ist eine der niedrigsten Inflationsraten des vergangenen Jahrzehnts. Was diese gute Nachricht für Konsumenten trübt: Die Teuerung fiel in Österreich dennoch weitaus stärker aus als in vielen anderen EU-Ländern. Und sie traf vor allem Bevölkerungsgruppen mit schmalen Einkommen überproportional.

Da sind zum einen die Mieten für Wohnungen: Sie zogen um 3,1 Prozent an. Im Dezember erhöhten sie sich sogar um mehr als vier Prozent, erhob die Statistik Austria. Gut die Hälfte der Österreicher lebt in Mietverhältnissen, vor allem Wenigverdiener sind auf Privatvermieter angewiesen. 40 Prozent ihrer Einkommen fließen in Grundbedürfnisse wie Lebensmittel und Wohnen. Anders als in der Vergangenheit zählten Nahrungsmittel diesmal jedoch keineswegs zu den markanten Kostentreibern.

Nicht "böse" Vermieter schuld

Preisbremsen und eine Reform des Mietrechts seien kein probates Mittel, um die Teuerung zu zügeln, meint Anton Holzapfel, Chef des Verbands der Immobilienwirtschaft. Nicht "böse" Vermieter seien am Auftrieb schuld – die Ursachen dafür seien vielmehr strukturell bedingt. Holzapfel weist auf knappes Angebot an Wohnraum in Ballungsräumen im Zuge starken Zuzugs hin, auf mehr Wohnungssanierungen und gestiegene Erwartungshaltungen der Mieter.

Überdies mache der Anteil der Singlehaushalte in Wien mittlerweile 50 Prozent aus. "Das alles treibt die Kosten." Für ihn führt an mehr Wohnbau kein Weg vorbei. Auch bei der sozialen Treffsicherheit im kommunalen, gemeinnützigen Bereich sieht seine Branche durchaus Luft nach oben.

3,3 Prozent Anstieg im Tourismus

Dass sich Österreichs Preise im Vorjahr weit kräftiger verteuerten als etwa in Deutschland, führen Statistiker auch auf hiesige Gastronomie- und Tourismusbetriebe zurück. Wer sich hierzulande bewirten ließ, musste dafür um 3,3 Prozent mehr auslegen als im Jahr zuvor. Die Rekordwerte bei Nächtigungen und Ankünften lockerten den Spielraum für höhere Preise, ist Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer überzeugt.

Was auch die Tourismusvertreter umgehend zum Konter ausholen lässt: Nicht die Hotellerie mache das Leben teurer, sondern der Staat, betont Michaela Reitterer, Präsidentin der Hoteliervereinigung. So habe die Regierung etwa die Umsatzsteuer auf Nächtigungen von zehn auf 13 Prozent erhöht: "Mehr Staatseinnahmen auf Kosten der Hotels und Gäste."

Trendwende bei Spritpreisen

Dass der Preisauftrieb in Summe dennoch moderat ausfiel, war den international sinkenden Rohölpreisen und damit verbundenen erheblich niedrigeren Kosten für Sprit und Heizöl zuzuschreiben. Österreich vergünstigte Letzteres allerdings weniger deutlich als die meisten anderen EU-Staaten. Pesendorfer sieht darin einen weiteren Baustein für die "hausgemachte" Differenz der österreichischen Inflation zum EU-Schnitt.

Im Dezember war jedoch ohnehin wieder alles anders. Die Preisschraube für Heizöl und Treibstoff dreht sich wieder nach oben, was dazu führte, dass sich die Lebenserhaltungskosten der Österreicher unterm Strich um 1,4 Prozent erhöhten. Die Entwicklung an den Rohölmärkten ist es auch, die entscheidenden Einfluss auf die Inflation 2017 haben wird. Mit mehr als einem Prozent ist Pesendorfer zufolge auf jeden Fall zu rechnen. (Verena Kainrath, 18.1.2017)

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    foto: daniel roos
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