Trump will Nato nicht abschaffen, aber ändern

17. Jänner 2017, 18:25
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Berater gab in Davos Einblick in künftigen US-Kurs und Antrittsrede – TTIP noch nicht vom Tisch

Anthony Scaramucci war zwar schon zehnmal in Davos, diesmal habe er zum ersten Mal aber einen "Essensvorkoster" mitgebracht, erzählte er aufgeräumt. Denn der quirlige langjährige Hedgefondsmanager ist ein Vertrauter von Donald Trump. Er gehört dem aus 16 Personen bestehenden Übergangsteam an und wird ab Freitag im Weißen Haus für "öffentliche Beziehungen" zuständig sein.

Der 53-Jährige war einer der gefragtesten Gesprächspartner beim Weltwirtschaftsforum, denn von ihm erwartete man sich Antworten auf die Frage, was der US-Präsident vorhat. Er tat dies im Stakkatoton: "Trump arbeitet superhart", erklärte sein Berater. Er wisse gar nicht, "wann dieser Mann schläft". Und: "Trump ist die am wenigsten rassistische Person, die ich kenne."

Erinnerung an Reagan 1981

Scaramucci gab Einblick, dass die Rede zur Angelobung am Freitag an jene von Ronald Reagan 1981 erinnern werde. "Er ist ein Mann des Friedens." Davor hatte er erklärt, wenn Trump geschlagen werde, dann haue er eben zurück. Trump werde den Bogen spannen von der Steuerpolitik bis zu längerfristigen Investitionen, kündigte Scaramucci an.

Dann bemühte sich der Assistent, wie er auch bezeichnet wird, einige Aussagen seines Chefs zurechtzurücken, die insbesondere in Europa für Verwunderung gesorgt hatten: Die Nato sei nicht obsolet, versicherte Scaramucci. "Die Nato funktioniert, aber es gibt Dinge, die sich ändern müssen und die nach den Worten Trumps obsolet sind." Es stehe nicht mehr der Kampf gegen den Kommunismus im Mittelpunkt, sondern der gegen den Islamismus. Ziemlich unverblümt kündigte er an, Trump werde zu den Nato-Partnern gehen und sagen: "Hey, zahlt!"

Auf das Verhältnis zu Europa und Russland angesprochen, antwortete der Berater knapp und sagte dann in einem Atemzug: "Trump hat großen Respekt vor Angela Merkel, er hat großen Respekt vor Putin." Dann gab er – ganz wie sein Chef – den Europäern Ratschläge: Trump sei mehr in Verbindung mit der Arbeiterklasse als die Elite hier in Davos und die Bürokraten der EU. "Sie mögen es, wie Trump kommuniziert, oder auch nicht. Aber er kommt so in Kontakt mit weiten Teilen der Bevölkerung. Die Führung hier sollte sich mehr um die Arbeiter und die Mittelklasse kümmern."

Superleidenschaft

Trump sei "superleidenschaftlich" und "liebe die Menschen", versicherte sein Berater. "In einigen Monaten werden Sie Trump genauso sehen, wie ich ihn jetzt sehe!"

In kleiner Runde mit einigen Journalisten diskutierte dann Scaramucci differenzierter. Er warb um Verständnis, dass sich Trump um ein besseres Verhältnis zu Russland bemühe. Beide Länder seien Atommächte, es sei wesentlich besser, wenn diese sich gut verstünden. Die Sanktionen hätten auch nichts bewirkt außer Putin gestärkt: Die Russen würden sogar Schnee essen, wenn dies notwendig sei.

Auf die Frage des STANDARD, was sich in der Zusammenarbeit zwischen Brüssel und Washington wirklich ändern werde, sagte Scaramucci nach einer kurzen Nachdenkpause: "Er will wirklich eine gute Beziehung mit der EU. Und erst recht, wenn wir den Freihandelsvertrag hinkriegen." Wie realistisch ist das, dass TTIP doch noch komme? Scaramucci: "Ich hoffe, ich weiß es nicht."

Fast emotional wurde dann kurz darauf US-Außenminister John Kerry, der elfmal zu Gast in Davos war, hier seinen letzten öffentlichen Auftritt im Amt absolvierte und Bilanz zog: Noch nie in der Geschichte seien die USA weltweit stärker involviert gewesen. "Ich bin extrem stolz, was wir erreicht haben!" Vor allem auf den Klimadeal von Paris und den Vertrag mit den Iran verwies er. Mit Bewertungen, was kommen werde, hielt sich Kerry aber zurück. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, 17.1.2017)

  • Ab Freitag wird Anthony Scaramucci im Weißen Haus tätig sein. In Davos versuchte er Befürchtungen vor Donald Trump zu zerstreuen.
    foto: reuters/ruben sprich

    Ab Freitag wird Anthony Scaramucci im Weißen Haus tätig sein. In Davos versuchte er Befürchtungen vor Donald Trump zu zerstreuen.

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