Zebrahai-Weibchen lernt, sich ohne männliche Hilfe fortzupflanzen

17. Jänner 2017, 19:01
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"Leonie" vollzog einen ungewöhnlichen Wechsel von sexueller zu ungeschlechtlicher Reproduktion

Brisbane – "Wer braucht schon Männer?", mag sich das Zebrahaiweibchen "Leonie" im Aquarium von Townsville, Australien, gedacht haben, als es kürzlich zur allgemeinen Verblüffung ohne männliches Zutun Nachkommen hervorbrachte. Das Tier hatte bis 2012 gemeinsam mit einem Männchen mehrmals auf sexuelle Art Junge bekommen, insgesamt waren die beiden Eltern von zwei Dutzend Haien.

Dann aber wurde "Leonies" Partner in ein anderes Becken verfrachtet und der Zebrahai (Stegostoma fasciatum) musste fortan sein Dasein ohne männliche Gesellschaft verbringen. Vor rund einem Jahr wurde das einsame Haiweibchen schließlich des Wartens auf einen neuen Mitbewohner überdrüssig und beschloss offenbar, auf asexuelle Fortpflanzung umzusatteln – etwas, das nach Meinung von Forschern um Christine Dudgeon von der University of Queensland in Brisbane nur äußerst selten vorkommt. Der Wissenschaft sind aktuell nur zwei vergleichbare Fälle bekannt.

Kein Spermarestposten

Wie es dazu kommen konnte, haben sich Dudgeon und ihre Kollegen daraufhin genauer angesehen. Eine Möglichkeit wäre, dass "Leonie" etwas Sperma von ihrem früheren Partner gleichsam für harte Zeiten aufgespart hat. Doch genetische Untersuchungen zeigten, dass die Anfang 2016 zur Welt gekommenen Haijungen nur DNA ihrer Mutter besaßen. Damit dürfte klar sein, dass sich "Leonie" selbst befruchtet hatte, schreiben die Biologen im Fachjournal "Scientific Reports".

Dass sich Wirbeltiere auch asexuell vermehren, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Die Reproduktion durch Klonen wurde bereits bei verschiedenen Haiarten, Echsen, Schlangen und sogar bei Truthühnern beobachtet. Der Unterschied zum konkreten Fall ist allerdings, dass bei all diesen Beispielen die Weibchen bis dahin auf die sexuelle Vermehrung gänzlich verzichtet hatten. Einzig bei einem Adlerrochen und einer Boa constrictor konnte ein Wechsel von sexueller zu asexueller Fortpflanzung festgestellt werden.

Nicht als Dauerlösung geeignet

Als generelle Vermehrungsstrategie eignet sich die asexuelle Reproduktion eher nicht, meint Dudgeon: "Über mehrere Generationen hinweg kann es schnell zu einem Schwund der genetischen Vielfalt und Anpassungsfähigkeit kommen." In Zeiten der Not mag diese Methode dagegen durchaus hilfreich sein. "Es könnte eine Art Durchhalte-Mechanismus sein. Mütter geben ihre Gene den Töchtern weiter, bis wieder Männchen für die sexuelle Fortpflanzung zur Verfügung stehen." Möglicherweise sei der Wechsel von sexueller zu asexueller Vermehrung daher häufiger als bisher gedacht, meinen die Wissenschafter. (red, 17.1.2017)

  • Zebrahaie (Stegostoma fasciatum) zählen zu den Ammenhaiartigen und suchen meist am sandigen Meeresgrund nach Krabben, Schnecken und kleinen Fischen. Das weibliche Tier "Leonie" in einem australischen Aquarium überraschte nun Wissenschafter, indem sie von sexueller auf asexuelle Vermehrung wechselte.
    foto: monterey bay aquarium

    Zebrahaie (Stegostoma fasciatum) zählen zu den Ammenhaiartigen und suchen meist am sandigen Meeresgrund nach Krabben, Schnecken und kleinen Fischen. Das weibliche Tier "Leonie" in einem australischen Aquarium überraschte nun Wissenschafter, indem sie von sexueller auf asexuelle Vermehrung wechselte.

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