Neue Meuterei von Soldaten in Cote d'Ivoire

17. Jänner 2017, 20:43
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Sonderzahlung an andere Einheiten löst wütende Proteste in mehreren Städten aus

Yamoussoukro – In der westafrikanischen Republik Cote d'Ivoire hat es am Dienstag erneut eine Meuterei von Soldaten gegeben, bei denen zwei mutmaßliche Teilnehmer getötet wurden. Die beiden Soldaten starben in der Hauptstadt Yamoussoukro, hieß es aus Militärkreisen.

In insgesamt sechs Städten demonstrierten Soldaten dagegen, dass laut einer Vereinbarung infolge einer Meuterei Anfang des Monats nur ein Teil der Armee hohe Sonderzahlungen erhalten soll.

Elitetruppe

Die Republikanische Garde habe einen meuternden Soldaten vor ihrem Stützpunkt getötet, hieß es aus Militärkreisen. Weitere Details zu den Todesumständen wurden nicht bekannt. Die Republikanische Garde ist eine Elitetruppe, die direkt dem Präsidenten der Elfenbeinküste untersteht.

Ein zweiter mutmaßlicher Meuterer erlag am Nachmittag auf der Krankenstation eines Militärstützpunktes in Yamoussoukro seinen Schusswunden, wie mehrere Quellen im Militär mitteilten. Außer in der Hauptstadt gab es auch in Bouake, Daloa, Man, Bondoukou und Dimbokro Proteste von aufgebrachten Soldaten. Sie zogen durch die Straßen und schossen in die Luft aus Wut darüber, dass am Dienstag mit Sonderzahlungen an Soldaten aus anderen Einheiten begonnen wurde.

120 Monatslöhne

Die Sonderzahlungen gründen sich auf eine Vereinbarung aus der vergangenen Woche, wonach die 8.500 ehemaligen Rebellen, die in die Armee integriert wurden, jeweils umgerechnet 18.000 Euro ausgezahlt bekommen. Dies entspricht rund 120 ortsüblichen Monatslöhnen. Woher das Geld kommen soll, ist unklar. Bereits vor dem 5. Februar sollen von der Gesamtsumme jeweils 7.500 Euro fließen.

"Heute Morgen wollten wir der Welt unsere Unzufriedenheit zeigen, indem wir unsere Waffen hervorholten", sagte ein Gendarm, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP.

Schutzgeld

In Yamoussoukro fuhren Soldaten durch das Stadtzentrum und zwangen die Bewohner zu Schutzgeldzahlungen. "Sie fahren mit Armeelastern durch die Stadt und reißen sich Autos unter den Nagel", sagte Ahmed Ouattara, ein Kfz-Mechaniker aus der Hauptstadt. "Wir sind in Deckung gegangen, es wird viel geschossen", sagte ein Verwaltungsangestellter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Am späten Nachmittag normalisierte sich die Lage nach Angaben aus Militärkreisen.

In Bouake gaben Soldaten Schüsse in die Luft ab, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Einwohner der Stadt brachten sich in Sicherheit. Geschäfte und Banken schlossen. Das erboste wiederum diejenigen Soldaten, die Anspruch auf die Sonderzahlung hatten und nach der ersten Auszahlung Anschaffungen tätigen wollten.

Bereits Anfang des Monats hatte eine Soldaten-Meuterei in Bouake Sorgen um die politische Stabilität der Elfenbeinküste geschürt. Die Militärangehörigen setzten im Streit um Solderhöhungen kurzzeitig den Verteidigungsminister fest. Staatschef Alassane Ouattara wechselte als Konsequenz mehrere führende Vertreter der Sicherheitskräfte aus.

Die Elfenbeinküste war zwischen 2002 und 2011 wegen eines wirtschaftlich und ethnisch bedingten Machtkampfs in zwei Teile gespalten. Bouake war das Zentrum der Rebellion im Norden. Mittlerweile geht es mit dem Land wirtschaftlich aufwärts. Mit einer Wachstumsrate von zehn Prozent ist das Land laut Internationalem Währungsfonds auf dem Weg, Afrikas am schnellsten wachsende Volkswirtschaft zu werden. (APA, 17.1.2017)

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